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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 40

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Psalmen in der Weltliteratur
Date
1898-01-01
Page
40 (sequence 8)
Language
German
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40 deutung für die Welt, für die Menschheit? Es sind nicht wenige, namentlich in unserer Gegenwart, welche ihr diese Bedeutung schlankweg absprechen und sie höchstens als ein mehr oder weniger interessantes Kuriosum wollen gelten lassen, das lediglich der Geschichte angehört. Und sür diese Anschauung hat man auch Gründe. Die heilige Literatur Israels soll unwürdige Vorstellungen von Gott haben. Gewiß redet das Alte Testament von Gott in sehr menschlicher Weise, wenn es uns erzählt, wie Gott zur Zeit der Abendkühle im Paradiese lustwandelt, wie er selbst die Thüre von Noah's Arche zuschließt, wie er unter den Eichen Mamres bei Abraham einkehrt und Mosen nur seinen Rücken zeigt, da der Anblick seines Angesichtes für jeden Menschen tödtlich ist: es legt Gott eine menschliche Gestalt und menschliche Gemüthsbewegungen bei und auch in einer Psalmenstelle lesen wir das beispiellos kühne Bild: „Da erwachte der Herr wie ein Schlafender, wie ein Held, der vom Weine überwältigt war" sPs. 78, 65s. Aber wer sich an solchen Aussagen stößt und in ihnen Gottes Unwürdiges sindet, der beweist dadurch nur, daß ihm das Verständniß für Religion und sür Poesie abgeht. Das was dem landläufigen Vorurtheil als eine Schwäche des Alten Testamentes erscheint, ist in Wahrheit seine Hauptstärke und sein höchster Ruhmestitel; denn das alles ist nur eine Folge davon, daß die Religion Israels vollen Ernst gemacht hat mit der Grundforderung aller Religion, der Forderung eines persönlichen Gottes. Religion ist das Persönlichste, was existirt, Hingabe des eigenen Selbst an ein Höheres, nicht um sich zu verlieren, sondern um sich zu gewinnen, um sich von diesem Höheren in der verklärten und vollkommeneren Gestalt wieder zu erhalten, von welcher eine innere Stimme uns sagt, daß sie die dem tiefften und wahrsten Wesen unseres Selbst entsprechende ist. Ein solches 'wechselseitiges Nehmen und Geben, ein solches gegenseitiges Hinüber und Herüber ist aber nur möglich von Person zu Person; zu einer bloßen Abstraktion, einer reinen Idee können wir eben so wenig in ein persönliches Verhältniß treten, als das Gefühl der Liebe im höchsten Sinne, wie sie den Menschen mit Allgewalt durchdringt, seiner Seele Schwingen verleiht und ihn über sich selbst hinaushebt, einer Statue gegenüber

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