Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 28 (sequence 16)
- Language
- German
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28 Stein über den psychologischen Ursprung und den soziologischen Charakter der Religion und endlich last not least die neue dritte Auflage des dritten Bandes von dem grundlegenden Werk des Altmeister M. Lazarus über das Leben der Seele, in dem besonders die Vorrede für uns von ganz besonderem Interesse, in dem sich aber auch viele feinsinnige Bemerkungen, die nur aus dem Geiste des Judenthums hervorgegangen sein können, vorfinden. * * Lazarus ist aber nicht nur ein hervorragender Gelehrter in seiner Fachwissenschaft, sondern er hat uns auch den Weg gezeigt, auf welchem man weite Kreise für das Interesse und Verständnis; philosophischer Fragen und Theorien einnehmen kann. Leider haben wir nur sehr Wenige, die nach ihm diesen Weg beschritten. Gerade die Literatur, welche sich mit der Popularisirung der wissenschaftlichen Resultate und Forschungen beschäftigt, wurde in den letzten Jahren am wenigsten angebaut und doch drängen die überall entstehenden Literaturvereine aus diese Arbeit hin. Die Scheu unserer Gelehrten vor solchen Popularisirungsversuchen ist noch immer nicht überwunden, während die größten nichtjüdischen Gelehrten heute schon eine Ehre darein setzen, sich an die allgemeine Bildung zu wenden und dieser die Resultate ihrer Arbeit in allgemeinverständlicher Form darzubieten. Auch die schöne Literatur hat in diesem Jahre nur wenig aufzuweisen, außer der deutschen Uebersetzung der beiden Hauptwerke von I. Zangwill und einigen kleinen Erzählungen in der rüstig fortschreitendenjüdischenUniv er salbib lioth ek, einem sehrdankenswerthen Unternehmen von I. B. Br and eis, eigentlich so gut wie garnichts. Die hebräische und Jargon-Belletristik leistet viel mehr als die schön Literatur in Deutschland und in den alten Kulturländern. In Amerika hat ein Dichter A. Cahan mit seiner Novelle: Iekl, die das Leben und Treiben der polnischen Juden in New-Iork schildert, Aufsehen erregt. In Portugal hat man die Luisiaden von Camoens zum Theil ins Hebräische übersetzt. I. M. Benoliel hat dies mit Hilfe von L. Goldschmidt versucht. Aus der hebräischen