Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 17 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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17 Kritik von all den Hypothesen und Theorien, die im Laufe eines Jahrhunderts aufgestellt wurden, bereits den Rückzug zu der für uns selbstverständlichen Annahme eines in all seinen Theilen vollständig und einheitlich aufgebauten Kunstwerkes angetreten hat. Gerade das abgelaufene Jahr hat in dieser Beziehung einige Werke hervorgebracht, welche für diese Rückkehr zu einer natürlichen und besonnenen Auffassung bahnbrechend sind. Fritz Hommel hat in seinem Buche: Die altisraelitische Ueberlieferung iu inschriftlicher Beleuchtung entschiedenen Einspruch gegen die Aufstellungen der modernen Pentateuchkritik erhoben. Er erblickt in den hebräischen Personennamen die endgültige Antwort auf die Frage nach der Echtheit der altisraelitischen Tradition und versucht es mit kundiger Hand, diesen versteckten Schatz zu heben, indem er den Nachweis führt, daß schon von Abrahams Zeiten an jene so charakteristischen mosaischen Personennamen bei einem Theil der Westsemiten Vorderasiens in lebendigem Gebrauch standen, so daß von einer späteren nachexilischen Erfindung keine Rede sein könnte. Diese Ansichten sucht er durch babylonisch-assyrische Inschriften zu erhärten. Es ergiebt sich daraus eine Menge neuer Resultate für die Religionsgeschichte und Alterthumskunde, auch für die, welche den Hauptzweck, den Hommel verfolgt und seine Hoffnung, für überschwänglich ansehen sollten, daß die Bibelkritik nunmehr umkehren werde. Hommel selbst ist allerdings dieses Glaubens. Er hört schon den Flügelfchlag einer neuen Zeit, in der man über die Aufstellungen der sog. Pentateuch-Kritik als über einen veralteten Jrrthum zur Tagesordnung übergehen werde. Leider bin ich nicht so hoffnungsselig, aber ein werthvoller Anfang ist immerhin gemacht nnd es ist gut, daß er von einer Seite gemacht wurde, die wissenschaftlich völlig einwandsfrei ist. Hat Hommel die semitische Urzeit zu Ehren gebracht, so giebt das Buch von Eduard Meyer: Die Entstehung des Judenthums ein Bild der Schlußperiode des altisraelitischen Lebens, welches nicht weniger wichtig und nicht weniger interessant ist als das erstere, weil in diese Periode die Entstehung des Judenthums fällt. Es ist bekannt, daß die Bibelkritik in den letzten Jahren diese Periode mit besonderem Eifer behandelt und dahei die 2