Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 16 (sequence 4)
- Language
- German
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16 Zeitalter glücklich überwunden und es beginnt wieder neues Leben in dem alten Bau sich zu regen. Mindestens kann das abgelaufene Jahr kein unerfreuliches genannt werden. Eine erhöhte geistige Regsamkeit, werthvolle Versuche, auf einzelnen Gebieten grundlegende Werke zu schaffen, tüchtige Anfänge charakterisiren die Literatur des Jahres, die ich entsprechend der Eigenart dieser Wissenschaft am besten in vier Abtheilungen unterzubringen versucht habe. Indem ich aber daran gehe, die literarischen Erscheinungen des Jahres, das ich (wie es ja auch im Buchhandel üblich) von Oktober bis Oktober zähle, resüinirend zusammenzufassen, muß ich von vornherein bemerken, daß jede bibliographische Vollständigkeit von diesem Versuche völlig ausgeschlossen ist. Es kann sich hier nur darum handeln, eine systematische Uebersicht des Geleisteten und Geschaffenen, ein Bild in großen Zügen und weiten Umrissen zu geben. Die Ausführung der einzelnen Details muß den Bibliographen und Literaturhistorikern überlassen bleiben. Anfang und Ende aller Dinge ist für uns das Bibelwort. Es ist und bleibt die alleinige Grundlage der ganzen Wissenschaft des Judenthums, das Buch des Bundes, das Gesetz, welches Mose dem Hause Jakob zum Schatz besohlen hat. „Er ist nie gewesen, der es ausgelernt hätte und wird nimmermehr werden, der es ausgründen möchte. Denn sein Sinn ist reicher weder kein Meer und sein Wort tiefer denn kein Abgrund". Natürlich hat sich die Wissenschaft vor allem um dieses Buch gelagert, um es auszulernen und auszugründen. Es ist bekannt, was gerade die deutsche Wissenschaft auf dem Gebiete der Bibelübersetzung, Bibelkritik und Bibelexegese geleistet hat. Die höhere wie die niedere Kritik, diese für die Textgeschichte, jene für die theologische Behandlung, für die Ermittelung der Herkunft und Abfassungszeit der einzelnen Schriften und die Prüfung der Ueberlieferung, haben beide staunenswerthe Resultate geliefert. Daß sie dabei vielfach auf Abwege gerathen sind, erscheint mehr als selbstverständlich. Ja, es ist mit der Zeit dahin gekommen, daß die