Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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14 immer nicht die Rede, ja, es ist noch gar nicht lange her, daß man dieser überhaupt erst Beachtung zu schenken angefangen hat. Der Hochmuth, mit dem sie von nichtjüdischen Fachgelehrten aber noch immer behandelt wird, rückt jene Hoffnung ans eine Gleichstellung dieser Wissenschaft in unbestimmte Ferne hinaus. Noch immer arbeitet „frischer Dünkel mit alten Citaten", noch immer behilft man sich in vielen Kreisen mit sekundären Quellen zweifelhaften Werthes, bevor man sich bei jüdischen Gelehrten Auskunft holt über dies Alles, obwohl innerhalb der fünfzig Jahre, seitdem Leopold Zunz jene Worte geschrieben, für den Aus- und Aufbau einer Wissenschaft des Judenthums alles Mögliche geschehen ist, obwohl sich diese Wissenschaft von dem Theologischen emanzipirt, zu einer wahrhaft geschichtlichen Anschauung erhoben und die Methode, sowie die Form und Richtung der Disziplin allgemeiner Wissenschaften angenommen hat. Die vernachlässigte jüdische Literatur hat leider also noch immer mehr als ausreichende Veranlassung, sich an ihren Verächtern unter den Gelehrten zu rächen. Und der Spott, mit dem hervorragende jüdische Gelehrte in den letzten Jahren nicht weniger hervorragende christliche Gelehrte abgewiesen haben, weil diese mit jenem oben geschilderten Hochmuth sich auf ein weites Terrain als Lehrende wagten, wo sie noch Lernende sein müßten, war daher ein wohlberechtigter. Die Würde der Wissenschaft des Judenthums muß in unseren Kreisen hochgehalten werden; dann werden wir zu jener Emanzipation gelangen, welche ein Leopold Zunz erhofft und ersehnt hat. Gegenwärtig sind wir aber, wie gesagt, von jener Emanzipation noch ziemlich weit entfernt, sonst müßte unsere Theologie in die allgemeine, unsere Geschichte in den Rahmen der Welthistorie, unsere Philosophie in den Kreis der allgemeinen ausgenommen worden sein, während jetzt beide Ströme desselben Wissens große Strecken weit neben einander herfließen, um sich nur hie und da zu berühren und dann desto weiter auseinander zu gehen. Dies soll uns aber auch ferner nicht hindern. Alles, was wir für den Aufbau unserer Wissenschaft für nützlich und nothwendig halten, mag es aus welchem Lager immer kommen, mit freudiger Anerkennung zu begrüßen und für unsere Zwecke zu verwenden. Wir sind weit entfernt