Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 13 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literarische Aahresrevue. Von Gustav Karpeles. cJtl sind nun mehr als 50 Jahre her, seit Leopold Znnz seine denkwürdige Skizze der jüdischen Literatur entworfen und die nichtjüdischen Autoren eindringlich ermahnt hat, unserer Literatur eine größere Beachtung zu schenken und auch auf diesem Gebiete dem Geiste sein Recht einzuräumen. Der Anerkennung des Geistes, so hoffte er, werde auch die der Personen folgen. „May erkennt und ehrt in der jüdischen Literatur eine organische geistige Thütigkeit, die, den Weltrichtungen folgend, auch dem Gesammt-Jntereffe dient, die vorzugsweise sittlich und ernst, auch durch ihr Ringen Theiluahme einflößt. Dieses stets mrbeschützte Schriftthum, nie bezahlt, oft verfolgt, dessen Urheber nie zu den Mächtigen der Erde gehörten, hat eine Geschichte, eine Philosophie, eine Poesie, die es anderen Literaturen ebenbürtig machen; werden, dies zugegeben, nicht die jüdischen Autoren und die Juden überhaupt alsdann das Bürgerrecht des Geistes erlangen müssen? Muß dann nicht aus dem Born der Wissenschaft Humanität sich unter das Volk ergießen, Verständigung und Eintracht bereitend? Die Gleichstellung der Juden in Sitte und Leben wird aus der Gleichstellung der Wissenschaft des Judenthums hervorgehen." Nun denn, wir Alle wissen, daß diese Hoffnungen bis auf den heutigen Tag nicht in Erfüllung gegangen sind. Von einer Gleichstellung der Wissenschaft des Judenthums ist noch