Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Jahresrückblick
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Ahlwardt, eines Sedlaczek und Paasch deutlich kund gethan, hat alle anständigen und besonnenen Menschen von ihrer Partei abgestoßen. Der innere Zwist dieser Sekte, deren einzelne Leiter sich ununterbrochen mit Koth bewerfen, hat ihre Zerrüttung sowie die Antipathien der Außenstehenden gesteigert. Selbst die Konservativen verleugnen allmäblich solche Freunde. So haben die jüngsten Landtagswahlen in Sachsen, wo nur ein einziger Antisemit es knapp zu einem Mandate brachte, den Niedergang der antisemitischen Partei deutlich an den Tag gelegt. Allein wir dürfen uns durch diese Vorgänge nicht in Sicherheit wiegen lassen. Die Hauptsache ist den Antisemiten gelungen. Sie haben in den weitesten Kreisen gerade der gebildeten Klassen Deutschlands die Ueberzeugung verbreitet: die Juden sind eine fremde Rasse, die wir als Fremde freundlich behandeln, aber durchweg von uns aus- und abschließen müssen. Deshalb die immer wachsende Ausscheidung der Juden aus der nationalen Geselligkeit, vom Privatverkehr bis zu den studentischen Verbindungen und allen Arten öffentlicher Vereine. Deshalb die Zurückweisung jüdischer Dozenten durch viele Fakultäten. Deshalb kein Jude im preußischen Landtage, kein Jude — mit Ausnahme einiger namensjüdischer Sozialdemokraten — im Reichstage; deshalb kein Jude mehr in zahlreichen städtischen Vertretungen; deshalb kein Jude mehr Reserve- oder Landwehroffizier. Diese stillschweigende Eliminirung des jüdischen Elementes ohne Rücksicht auf Verdienst und Vorzüge des Einzelnen regt im Augenblicke die Gesammtheit unserer deutschen Glaubensgenossen weniger auf, schädigt sie aber in Wirklichkeit viel tiefer, als der wüste und abstoßende Radau-Antisemitismus. Was läßt sich dagegen thun? Die öffentliche und stille Thätigkeit der Abwehrskomites hat sich, trotz rühmlichster Anstrengungen und unzweifelhafter Einzelerfolge, doch im ganzen als machtlos erwiesen gegenüber dem fest eingewurzelten Vorurtheil vieler Hunderttausende unserer christlichen Mitbürger, daß wir eine fremde, ja antinationale Masse seien, die nicht organisch mit dem Deutschen Volksthum verwachsen könne. Also was dann? Zunächst eine würdige Haltung. Keine Zudringlichkeit christlichen Kreisen gegenüber, ruhiges Abwarten etwaiger Annäherungen, aber auch keine scheue Abkehr und übermäßige