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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 163

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Aus Tagebuchblättern
Date
1928-01-01
Page
163 (sequence 6)
Language
German
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Bemerkungen Den Ansatz zur Erweiterung gab unter anderem die Teilnahme Nathan Birnbaums und seiner Freunde, die sich „Alljüdische Gruppe" nannten. Im „Freien jüdischen Klub" hielt Buber am 5. November seinen Vortrag „Jüdische Religiosität". Aber die Entwicklung des Klubs befriedigte uns nicht. Hinter ihm stand keine Gemeinschaft. In diese Zeit fiel ein Ereignis, das uns alle von der ruhigen Verfolgung unserer Pläne ablenkte. Palästina brachte Unruhe und Kampf auch ins deutsche Judentum. Am 4. Dezember 1913 brach durch den Austritt von Ach ad Haam, Tschlenow und Schmarjahu Lewin aus dem Kuratorium des Technikums in Haifa der Kampf zwischen der zionistischen Organisation und dem Hilfsverein der deutschen Juden aus, der dem Primat der hebräischen Sprache in Palästina galt. Es folgten Monate scharfer Auseinandersetzungen, die den Zionismus besonders in Deutschland zu Abwehr und Angriff zwangen. Wenige Monate später kam der Krieg. Buber fühlte mit uns allen, daß auch das Schicksal des jüdischen Volkes in Bewegung geraten war. Man muß etwas tun — ich hörte es damals oft von ihm, fast jeden Tag. Auf der einen Seite bewegte ihn Schicksal und Gefahr jedes Einzelnen, der im Felde war, auf der anderen Seite war er jeder Initiative offen, die der Sorge um die Zukunft des jüdischen Volkes und vor allem seines jüdisch lebenden Teils entsprang. Auf seine Ermutigung gestützt, übernahm ich im Oktober 1914 die Redaktion der „Jüdischen Rundschau". Seine Anerkennung und seine Kritik stand hinter mir und meinen Mitarbeitern. Er gehörte zu den Mitgründern des „Jüdischen Nationalkomitees", das wir schon im Oktober 1914 schufen und zu dessen Exekutive zunächst Nathan Birnbaum, Buber, Oskar Cohn, M. d. R., Dr. Josef Bloch, der Herausgeber der Sozialistischen Monatshefte, Kurt Blumenfeld, Julius Kaiiski und Davis Trietsch gehörten. Das „Jüdische Nationalkomitee will zunächst die Judenheit über die großen Vorgänge unserer Zeit und ihre Bedeutung aufklären, zur tätigen und unmittelbaren Teilnahme an der Vorbereitung künftiger Entscheidungen und Neugestaltungen aufrufen und die Anläufe einer nationalen Freiheitsbewegung einheitlich organisieren" — so schließt der Entwurf eines kurzen Programms, das Buber selbst schrieb. Dieses Komitee ist nach außen wenig in Erscheinung getreten, doch war ihm viel zu danken. In erster Reihe die Interessierung wichtiger Kräfte in der sozialistischen Partei Deutschlands für die national-jüdische Sache, die Sicherung wertvoller Sympathien, Hilfe im Kampf gegen die Vergewaltigung der Juden im Osten durch die Okkupationsbehörden und, in der Richtung auf Palästina, die Vorbereitung einer Stimmung, aus der schon während des Krieges ein Pro-Palästina-Komitee erwuchs. Aus den Beratungen dieses Jüdischen Nationalkomitees wurde auch der Entschluß geboren, mit der Schaffung der Monatsschrift Ernst zu machen. Die Vorbereitungen dauerten lange; denn Buber wollte nur dann der Herausgeber werden, wenn er sich überzeugt haue, daß wirklich eine starke Gemeinde \eistig führender Männer mitgehen werde. Es gelang. Ende März 1916 versandten wir das Programm, das ich abfaßte, weil Buber sich vorbehielt, das Programm, das er als Herausgeber persönlich verfolgen werde, als die „Losung" an die Spitze des ersten Heftes zu setzen. 11* 163

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