Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Aus Tagebuchblättern
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 162 (sequence 5)
- Language
- German
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Bemerkungen seine beiden ersten großen Reden in Prag und auf mich noch stärker als in Wien. Das war die dritte Rede. IL Berlin Ende März 1913. Nach Berlin war eine Sitzung einberufen, die der Schaffung eines jüdischen College in Deutschland galt. Buber versandte die Einladungen. Aus unserem Prager Kreis waren mehrere Freunde eingeladen. Auch Moritz Heimann und Gustav Landauer gehörten zu den beteiligten Mitarbeitern. Die Sache wurde einige Zeit weiter verfolgt. Am 18. Mai traf sich noch einmal ein kleinerer Kreis in Dresden. Aber der Plan blieb, vielleicht nicht nur aus finanziellen Gründen, in der Vorbereitung stecken. Inzwischen hatte der Barkochba in Prag den Versuch aufgenommen, in einem gemeinsamen Sammelbuch einen Ausdruck für die Anschauungen unseres Kreises zu finden. Wir zogen den Kreis der Mitarbeiter nicht zu eng. Wir legten sogar Wert darauf, Männer mitarbeiten zu lassen, für die auch die Einstellung zum jüdischen Problem, die uns mit Buber verband, schon zu bestimmt umgrenzt war. Darum waren uns auch Nathan Birnbaum, Moritz Heimann, Gustav Landauer, Arthur Salz, Erich Kahler willkommen. Ich hatte die Verhandlungen mit dem Verleger Kurt Wolff und seinen Direktoren geführt und war oft mit Buber zusammen, in Berlin oder bei ihm draußen in Zehlendorf, um mit ihm allein oder auch mit anderen die Dinge zu besprechen, die sich an das Werden des Sammelbuches „Vom Judentum" knüpften. Erstaunlich war, mit welcher sorgsamen, geradezu eifersüchtigen Liebe Buber sich um jedes Detail mühte, wie er aber gleichzeitig Sorge trug, die Verantwortlichkeit des Barkochba nicht anzutasten und selbst nur Berater zu bleiben. Das Sammelbuch erschien dann kurz vor dem Wiener Zionistenkongreß und drang weit über die zionistischen Kreise hinaus. Im zionistischen Lager erregten einige Beiträge heftigen Anstoß und selbst vom Präsidententisch des Kongresses wurde es verdammt. Gerade deshalb nahm der Plan festere Form an, eine Zeitschrift zu gründen, die im Sinne des Sammelbuches wirken sollte. Die ersten Besprechungen in Berlin fanden bei Buber anfangs Oktober 1913 statt. Es zeigte sich aber, daß unser Kreis mit dem Plan der Zeitschrift nicht allein stand. Andere Zeitschriftpläne verfolgte Dr. Viktor Jacobson. Ihm lag hauptsächlich an einer vornehmen zionistischen Revue, die letzten Endes politischer Wirkung dienen sollte. Doch gab es wichtige Berührungspunkte, und so wurde bald beschlossen, eine Fusion der beiden Pläne und Gruppen durchzuführen. Aber der Plan geriet ins Stocken, als Dr. Jacobson am 28. Oktober mit Dr. Ruppin zusammen nach Rußland fuhr. Erst zwei Jahre später unter sehr veränderten Verhältnissen wurde die Zeitschrift mit Buber als Herausgeber Wirklichkeit: „Der Jude"....... Buber klagte zu jener Zeit (1913) immer wieder, daß es im jüdischen Leben und besonders in der zionistischen Bewegung in Berlin keine Stätte so freier und schöpferischer Aussprache gab, wie er sie bei uns in Prag gefunden hatte. Aus diesem Bedürfnis heraus schufen wir den „Freien jüdischen Klub". Von vornherein wollten wir diesen Klub nicht zu einem rein zionistischen machen. 162