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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 164

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Aus Tagebuchblättern
Date
1928-01-01
Page
164 (sequence 7)
Language
German
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Bemerkungen Die erste Nummer der Monatsschrift kam aber doch erst unter Schwierigkeiten zur Welt, denn die Zensur verbot die Verschickung wegen des Aufsatzes „Ostjudesi und Deutsches Reich" von Gustav Landauer und wegen eines Artikels „Polen und Juden", so daß ein Neudruck notwendig wurde. Nach dieser ersten schlimmen Erfahrung schwenkte „Der Jude" nicht ein, wußte aber doch Verboten nach dem Druck zu entgehen. Buber hat in acht Jahrgängen des „Juden" alles jüdische Geschehen bis in das Jahr 1924 begleitet — dabei selbst im engeren Kreis, der allerdings eine recht weite Peripherie sich schuf, um die Jugend bemüht und mitten in ihr tätig, wovon Zeugnis ablegten seine Mitarbeit im „Jüdischen Volksheim" in Berlin, seine Teilnahme an Jugendtagungen und ein nie ermüdetes Freundsein jedem ringenden jungen Menschen. — Aber was hierüber zu sagen ist, gehört nicht mehr in den Rahmen von Notizen, die dem Zweck dieser persönlichen Erinnerungen sich unterordnen: auch von dieser Seite einen Beitrag beizusteuern, in dem ein Rückblick auf gemeinsam gegangene "Wegstrecken der letzten zwanzig Jahre dem Fünfzigjährigen als Dank dargebracht wird. Leo Herrmann In ein Gedenkbuch Kinderheim Baumgarten, Wien, Januar 1920. Als nach der Sintflut die Tiere aus der Arche gingen und nach langer Enge sich der weiten Welt freuten, stimmten sie, jedes in seiner Art, ein Loblied an. Da geschah es, daß sich der Truthahn so in Gotteseifer blähte, daß er zerplatzte. Da fragte einer der Engel voll Staunen, warum Gott den guten Willen des Tieres so übel gelohnt habe. Und Gott antwortete: Wer sich zu Gottes Ehre überbläst, dem muß recht sein, daß er zu Gottes Ehre zerspringt. Elijahu Rappeport Der Glaube des Ungläubigen Wer zum Zionismus als zu der einfachen, natürlichen, logisch selbstverständlichen Fortsetzung der jüdischen Tradition kam, in der er aufwuchs, oder des jüdischen Familienlebens, dem er sich unterworfen, oder gegen das er überhaupt nie rebelliert hatte, wird das hier Gesagte ebensowenig verstehen, wie alle anderen unangefochten und unbedrängt im Glauben ihrer Kindheit oder Gereiftheit Verharrenden. Die Zweifel, Gewissensbedenken und alle übrigen üblichen Metaphern der Versuchung, Skepsis und Kritik haben sie, der Zeitmode folgend, rasch oder langsam durchlaufen wie die vorgeschriebenen anderen Erziehungsstadien: im Herzen unberührt und des frohen Sieges nach „hartem" Kampf von vornherein versichert. Sie sind die Erben, die Besitzenden, die Gesicherten aus überkommenem oder manchmal auch aus erarbeitetem Vermögen, zu glauben und am Glauben sich festzuhalten wie am Leben selbst. Ihr Glaube ist der rechte, auch wenn sie links stehen und links glauben, z. B. an das unzerstörbare jüdische Golus und an dessen Sprache, oder an die Kraft der jüdischen Weltmission. In Wirklichkeit standen sie noch nie vor dem Nichts, ebensowenig, wie ihre Versuchungen je wirkliche waren. Es gibt für sie nur Himmel und Hölle, das Chaos ist nur ein Gleichnis und Rettung daraus oder Untergang in ihm eine dichterische Lizenz, höchst un- 164

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