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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 133

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Über die Theologie des Sabbatianismus im Lichte Abraham Cardozos
Date
1928-01-01
Page
133 (sequence 11)
Language
German
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Über die Theologie des Sabbatianismus im Lichte Abraham Cardozos rend sie dem unsern fast entglitten zu sein scheint. Nicht in jedem Zeitalter erwidern die Dinge dem Anruf der Ratio, aber daß ihr Verhalten, und sei es auch in den scheinbar mystischsten Bezirken, wenn auch nicht jederzeit in der Ratio begründbar, so doch jederzeit ihr gemäß verläuft, ist durch ihre absolute Rationalität im utopischen Punkte der Geschichte, im messianischen Zeitalter, verbürgt. Welch aktuelles Unvermögen immer die Kabbalisten in der rationalen Entfaltung ihrer Gegenstände gehemmt haben mag und welche Bedenken man immer gegen die Legitimität eines Anspruchs erheben mag, der zugleich im Besitze einer Theorie für seine eigene Unerfüllbarkeit ist — die nackte Tatsache dieses Anspruchs allein, am dialektischsten Punkt der Geschichte der Kabbala erhoben, erleuchtet den Bezirk, auf den er sich erstreckt. Der Erlöser ist der zutiefst) Erkennende. Da, wo alles Geschehen sich aufs höchste potenziert, sind Offenbarung und Tradition nur mehr Zeugen des Erkennenden — so bestimmt Cardozo ihre Rolle beim Anbruch des neuen Aion. Wie der Zerfall einer grenzenlosen Intuitionsmystik, wie es die lurjanische im Gegensatz zur älteren Kabbala ist, zu einem fast maimonidischen Begriff von der erlösenden Macht der Erkenntnis führt und wie hier der prinzipielle Anspruch rationaler Erkenntnis gerade für die paradoxesten Mysterien des Glaubens mit größtem Nachdruck vom Boden der Gnosis her vertreten wird — das erleuchtet tief den metaphysischen Schauplatz der sabbatianischen Bewegung. Unreine Trübungen, aus tiefem Verfallensein der Seele an den Trieb oder aus anderen Mächten der Geschichte entstammend, haben die Leuchtkraft unserer Ratio verdunkelt. Vor dem Urphänomen der Sprache, dem Namen des Schöpfers, erweist sie ihre Schwäche. Wenn aber in den Geburtswehen des neuen Aion, in der Krisis des Zusammenbruchs sie sich reinigt, antwortet der Name Gottes ihrem Anruf. War schon diese Seite der Lehre vom Messias paradox, so ist es ihre andere Seite, die allein bisher von Polemikern und Geschichtschreibern betrachtet worden ist, in freilich noch viel höherem Maße. Hier trug die große Schwierigkeit, die ihre Widerlegung oder selbst nur die Polemik gegen sie hatte, das ihrige dazu bei, die Empörung des beleidigten Gefühls zu erhöhen. Denn in der Lehre vom notwendigen Abfall des Messias, als welche sich jene andere Seite der Messianologie darstellt, sah sich das religiöse Gefühl des Galuthjudentums zum ersten Male einer offen, nicht mehr latenten, antinomistischen Thesis gegenüber, ohne daß es — in der schweren Krise einer Hypertrophie des Mystizismus — jene starke Position noch besaß, von der aus es ihre Voraus- 133

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