Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Über die Theologie des Sabbatianismus im Lichte Abraham Cardozos
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 127 (sequence 5)
- Language
- German
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Über die Theologie des Sabbatianismus im Lichte Abraham Cardozos bräischen Alphabets im Zusammenhang mit einer rein gnostisehen Geschichtsphilosophie vorträgt, von der wir noch nicht wissen, wie sie in der Zeit der Entstehung dieses Buches, im 12. oder 13. Jahrhundert, ins Judentum hineingeraten konnte. Das Buch lehrt einen Zyklus der Welt in sieben mal siebentausend Jahren. Je siebentausend Jahre sind eine Schemita, ein Weltzeitalter. Nach siebentausend Jahren bildet sich die Welt aus dem Chaos wieder neu und kehrt nach sieben mal siebentausend im Weltenjobeljahr, dem fünfzigsten Jahrtausend, in das Nichts zurück, so daß dann wieder eine Schöpfung aus dem Nichts erfolgt. In allen diesen Zyklen und Aionen bleibt die Thora das absolute Medium der Offenbarung. Sie ist das corpus mysticum: der entfaltete Name Gottes. Aber wie wir die Thora lesen, ist abhängig von der betreffenden Schemita. Wir leben in der zweiten, dem Aion der Strenge. Was wir heute hebräisch nennen, ist nichts weiter als die Art, wie in ihm die Thora gelesen wird, so daß Gebot und Verbot, rein und unrein in ihr gesetzt werden. In einem anderen Aion wird die Thora ganz anders gelesen werden und eine ganz andere Bedeutung haben. So gab es in dem vorigen, der eine Sc/iemitalh ha-chessed, ein Aion der Gnade war, überhaupt keine verbotenen Dinge, und im nächsten mag ganz anderes verboten sein als heute. Ja, eine diesem Kreise angehörige Schrift geht so weit zu behaupten, daß das hebräische Alphabet ursprünglich nicht aus 22 sondern aus 23 Buchstaben bestand, daß aber in diesem Aion ein Buchstabe unsichtbar geworden sei, der sich erst dem Messias, der am Ende unseres Aion den Übergang zum nächsten ankündigt, offenbaren und so die Bedeutung der Thora von Grund auf verändern werde. In den Gedankengängen Cardozos spielt die Berufung auf das Buch Temuna und derartige Schriften, die eine große, allein von Mose Cordovero angefochtene Autorität besaßen, eine große Rolle. 2. Wir wissen von der Entwicklung der Kabbala, daß in ihr die Einheit Gottes zwar immer streng aufrechterhalten wurde, aber in einer für den Laien freilich immer problematischer werdenden Weise. Jene theosophischen Welten der göttlichen Emanationen, welche die Kabbala im Begriff der Sephiroth faßte, erwiesen sich im Sinne der tiefen Intuition der älteren Mystiker zugleich als die Kategorien, in denen die kreatürliehen Dinge geordnet sind, und als die Perspektiven, in denen der tief in die Erscheinung versenkte Blick das Göttliche zu visieren imstande war. Freilich ist die Beziehung dieser Welt von göttlichen Modi „Middoth'% die 127