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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 125

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Über die Theologie des Sabbatianismus im Lichte Abraham Cardozos
Date
1928-01-01
Page
125 (sequence 3)
Language
German
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Über die Theologie des Sabbatianismus im Lichte Abraham Cardozos wis sich die Gottheit auf eine tiefere und unerreichbare Schicht des Seins zurückgezogen und in Sahbatai Zewi die als Gottmensch inkarnierte Sephira Tiphereth seinen Platz eingenommen habe. Für die jüdische Geschichte aber haben wirklich tiefe Bedeutung eben nur jene Kreise der sabbatianischen Bewegung, die innerhalb des Judentums geblieben sind, und deren wichtigster Vertreter, Cardozo, hat die Lehre von der Inkarnation des Gottmenschen erbittert abgelehnt. Abraham Michael Cardozo (ca. 1630—1706) ist es, auf dessen (unedierten) Schriften die Anschauungen beruhen, die hier vom Wesen der sabbatianischen Theologie entwickelt werden sollen. In Cardozo hat der Sabbatianismus seinen großen Theologen gefunden und die jüdische Literatur einen ihrer bedeutendsten Autoren, so tief zerstörend immer der Antrieb gewesen sein mag, der von ihm ausging. Es ist ein Hohn der Wissenschaft, daß bis heute nie mehr als ein paar zusammenhängende Seiten aus den umfangreichen, fast immer systematischen Schriften dieses wahrhaftesten und überzeugtesten Advocatus diaboli des Judentums gedruckt sind. Einer Betrachtungsweise von so zweifelhafter Dignität wie der eines Graetz freilich erschienen diese Schriften, die kein Jude, wären sie gedruckt, ohne Erschütterung sollte lesen können, als „zusammengeschmiert", als „Wiederholungen eines und desselben Themas und daher von geringem Interesse" — welch entwaffnende Verständnislosigkeit vor dem Phänomen eines „Apostolats", das seine Ideen immer wieder von neuen Punkten aus zu entwickeln strebt, spricht nicht aus solcher Logik! Einer auf ihren theologischen Gehalt abzielenden Betrachtung aber werden diese Schriften und in ihnen der jüdische Sabbatianismus, dessen vollkommenster Ausdruck sie sind, sich als das enthüllen, was sie sind: die offenbarste Krisenerklärung des Judentums, die auf dem Boden der Kabbala denkbar ist. Die Theologie des Sabbatianismus erweist sich als die Konstruktion eines virtuellen gnostischen Antinomismus innerhalb der Welt des Judentums und seiner Lebensordnung, aus einem dialektischen Zerfall der Grundbegriffe der lurjanischen Kabbala im marranischen Geiste konzipiert. Sie erweist sich als die Reaktion des Marranentums auf die Kabbala. Hier ist der wahre Schauplatz dieses Trauerspiels. Wohl als erster hat Carl Gebhardt auf die gefährliche Zweideutigkeit im Geiste des Marranentums mit Nachdruck hingewiesen. Man weiß aus der Responsenliteratur, daß Marranen vor rabbinischen Gerichtshöfen eine theologische „Rechtfertigung für ihr Vorgehen in den Büchern des Alten Testamentes suchten und besonders in Aussprüchen des apokryphen Buches Baruch gefunden zu haben glaubten46. Sie wurden durch ihre geschichtliche Situation zu antinomistischen Perspektiven gedrängt, 125

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