Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Einleitung zu einer geistigen Betrachtungsweise des Hebräischen
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 121 (sequence 5)
- Language
- German
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Einleitung zu einer geistigen Betrachtungsweise des Hebräischen sich, unserer heutigen Auffassungsweise überhaupt entziehen und uns daher zweifelhaft werden. Um den Geist des hebräischen "Wortes zu erleben, genügt eben die übliche Wortübersetzung oder die moderne Sprechmethode auf keine Weise. Und so ist es wohl auch eine wenn auch nicht entschieden erfüllte Grundtendenz der Buber-Rosenzweigschen Bibelübersetzung, im Worte auf den Ursinn zurückzugehen, so wenn z. B. die Opfer „Olah" und „Korban" (und dies ganz im Sinne einer Soharstelle) mit Aufstieg oder Näherung in Beziehung gesetzt sind oder wenn das Stiftszelt als Zelt der Gegenwart bezeichnet wird. Zum Erlebnis des hebräischen Wortes gehört es aber auch, überall die etymologische Weite der Worte nachzuleben. Nehmen wir zum Beispiel das Wort „Ruach46, dessen Vielseitigkeit zunächst durch die deutschen Worte: Geist, Luft, Hauch, Wind, Weltrichtung bezeichnet wird, wozu noch das sprach verwandte „Reach", Geruch, Geruchsobjekt und der lautlich imrerse Wortstamm: char, die heftige Luftbewegung des Schnaubens, Zürnens bezeichnend, hinzukommen. Im Worte „Ruach" kann man schon an seiner mächtig bewegten und mächtig behauchten Lautung etwas vom hebräischen Sprachgeist selbst empfinden: es ist der Geist, der zur physischen Luft wird und dadurch zum materiellen Träger der Sprache; im Winde zur bewegten Richtung; in der feinsten Stoffbildung dem Dufte verwandt. Aus einem größeren Zusammenhange seien nur noch ganz wenige Beispiele hingestellt, wobei auch wieder das Lautelement hervortritt, das keineswegs durchgängig, sondern nur, wo es um hörbar sinnenfällige Objekte geht, auch onomatopoetischen l£Jang aufweist (z. B. deutlich in den auf Musik bezüglichen Wörtern1). K-W (kaw): Linie, Seil, Aufrichtung (kum), Ort (makom); Hoffnung (tikwah). E2)-T (Et) undE-D: Zeit, Ewigkeit, jetzt (ätah), bis (ad), Zeugnis Verzeitlichung, Festversammlung (moed). Die Inversion von E-D ist D-E (da, jada): Erkenntnis. J) Andere Beispiele in des Verf.s Aufsatz: „Von Wort und Sinn der biblischen Schöpfungsgeschichte (Der Jude, September 1924); über den Stamm „Sefer" und dessen spätere Wandlungen auch einiges in der „Einleitung in den Sohar"; viel Material in dem merkwürdigen Buche Fahre d'Olivets': La langue Hebraique restituee (Paris 1815), in den Schriften von Herrn. Beckh; manches bei Barsilai: „Ideografia semitica" (Triest 1885), bei Aron Marcus: „Barsilai, Sprache als Schrift der Psyche" (Berlin 1905) und bei Goldberg: Die Wirklichkeit der Hebräer (Berlin 1926). Auf die Zuordnung zu Zahlenbeziehungen und die Frage ihrer Berechtigung soll an dieser Stelle trotz ihrer Wichtigkeit nicht eingegangen werden, weil dieser der modernen Auffassung so fernliegende Gegenstand einer eingehenderen Klarstellung bedürfte. 2) Hier als Transskription des hebr. Ajin gemeint. 121