Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Das Gespräch
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 107 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Gespräch geschickte durchzogen wird und schließlich, wie jene in ein ,Vollendet waren der Himmel und die Erde, mit ihrem ganzen Heer6 und ein ,So segnete Gott6, so diese in ein ,Vollendet war das ganze Dienstwerk der Wohnung, des Zelts der Gegenwart6 und in ein ,Mosche segnete sie6 mündet.66 Gottes schöpferischem Machen antwortet das nachahmende des Menschen. Die Wechselrede von Tun und Vergelten ist nicht das ganze Gespräch. Nicht mit ihr hat es angehohen, und endete sie, nicht mit ihr müßte es enden. An Schleiermachers Deutung bleibt gültig, daß sie in Tun und Vergelten den Dialog wahrnahm. Und, wenn wir wieder das fälschende „daher ihre Heiligkeit66 ausmerzen, daß die Tradition „den Zusammenhang dieses großen Gesprächs66 enthält. Ein wichtiger Hinweis, dem hier nicht mehr gefolgt werden kann, liegt ferner in der Art, wie dem jüdischen Gegenüber von Mensch und Gott im Gespräch ein christliches Einssein von Menschlichem und Göttlichen in „einzelnen Punkten über das Ganze ausgestreut65 entgegengesetzt wird. Vor dem Dialogischen noch nennt Schleiermacher als Folge der Vergeltungsvorstellung im Judaismus den „überall sich durchschlingenden Parallelismus, der keine zufällige Form ist66. Er erklärt sich nicht näher darüber, aus dem Zusammenhang des Ganzen müssen wir aber annehmen, daß es auch am Parallelismus eben das dialogische Element ist, was er meint. Ein, oft nur verborgener, Parallelismus sind ja auch die „Wortgleichungen66' in der biblischen Erzählung, von denen Rosenzweigs oben zitierte Abhandlung Beispiele häuft, Beispiele, die sich zum großen Teil dialogisch verstehen lassen. Den offenen Parallelismus imi Sätzepaar, von dem Schleiermacher spricht, als dichterische Form zu verstehen, hatte Herder in den Gesprächen vom Geist der ebräisehen Poesie mit innigem Bemühen die Deutschen gelehrt. Ohne daß er hier eine Gattung des Parallelismus, in der dem Vers der Parallelvers antwortet, gegen eine andere, in der den Vers der Parallelvers nur bekräftigt, begrifflich abgegrenzt hätte, sind doch aus seinen Gleichnissen die Begriffe von beiden leicht abzuziehen. Die parallelen Verse sind wie die Gruppen eines Hirtenchors: „sie antworten oder jauchzen einander zu66. Das ist die erste Gattung. „Es ist, als ob der Vater zu seinem Sohn spräche und die Mutter es wiederholte.66 Das ist die zweite. Nur die erste, dialogische, kann mit dem Gespräch von Tun und Vergelten, das Schleiermacher meint, kann auch mit dem großen Gespräch, von dem jenes ein Teil ist, in Zusammenhang gebracht werden. Die zweite bloß, insofern ja auch in ihr noch etwas von dem, was die erste ausmacht, von Rede und Antwort, mitschwingt. 107