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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 106

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Das Gespräch
Date
1928-01-01
Page
106 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Ludwig Strauß lieh nichts gegen die Benennung des Benennharen an einer der positiven Religionen gesagt, nur gegen den Glauben, mit ihm das erfaßt zu haben, was mit dem „Hauch des Lebens" dem Stoffgebild eingeblasen ist. Weil Schleiermacher eine „Idee66, die der Vergeltung, zur zentralen, individuierenden ernennt, kann er ihren Zusammenhang mit anderen, im gleichen Individuum lebenden nicht mehr unbefangen anschauen. Er muß die andern der einen subordinieren, muß zwischen die eine und die andern das fälschende „daher46 schieben: „daher . . . das Ansehen des Dialogischen . . Nun läge es ja, gerade für idealistisches Denken, näher, anzunehmen, die Vorstellung von der Geschichte (und dem Menschenleben) als einem „Gespräch zwischen Gott und den Menschen in Wort und Tat" bringe, umgekehrt, die von der Vergeltung als Gottes Antwort auf die Anrede der Menschentat hervor. Aber das hieße den Fehlschluß umkehren statt ihn aufzuheben. Nicht eine einzelne Anwendung dialogischer Vorstellungsform auf den Erfahrungsstoff, vielmehr eine, wieder und wieder kehrende, Phase in einem großen Dialog ist die Wechselrede von Tun und Vergelten. Hier ist nicht Eins „im Grunde" und das Andere „daher", sondern, Wirkliches im Wirklichen, ist Eins im Andern. Im Andern, nicht das Andere. Denn wie ließe sich glauben, daß die Phasen des Dialogs, von denen gesprochen wurde, den ganzen Dialog ausmachten? In ihnen ist der Mensch der Anredende, Gott der Antwortende. Aber über das gleiche Gespräch, das Schleiermacher meint, ja mit einer vom Gegenstand gegebenen Ähnlichkeit der Worte, sagt Martin Buber, der in „Ich und Du" von jenem Gespräch zu berichten begonnen hat, im Geleitwort zu seinen Chassidischen Büchern: „Gott redet zum Menschen in den Dingen und Wesen, die er ihm ins Leben schickt; der Mensch antwortet durch seine Handlung an eben diesen Dingen und Wesen." Der Idealist Schleiermacher hört nicht, was der Christ Schleiermacher wohl hätte hören können: die Phasen des Dialogs, in denen Gott der Anredende, der Mensch der Antwortende ist. Obwohl doch die Schrift voll ist auch von solchen Wechselreden: die Offenbarung am Sinai ist der Beginn der größten und deutlichsten. Eine verborgenere deckte jüngst Franz Rosenzweig ohne die Absicht, gerade dies daran zu zeigen, in seiner Abhandlung über das Fonngeheimnis der biblischen Erzählungen1) auf. Er schildert, wie die Wiederkehr gleicher Worte im Mund des Erzählers oft den Sinn des Erzählten erst verdeutlicht. „So, wenn die ganze Erzählung des Baus der , Wohnung4 im Buch ,Namen4 von jenem ,machte6 der Sehöpfungs- 2) Erschienen im Februarheft 1928 des „Kunstwart". 106

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