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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 100

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Begriff und Wirklichkeit
Date
1928-01-01
Page
100 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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Hugo Bergmann in das Leben einzugehen, „so daß man sagen könnte, dies sei eben das Sein des Lebens, daß es Leben ist des Seins1)". Die Welt ist nichts anderes als das in die Form der Erscheinung getretene Absolute. Weder ist sie bloßer Schein, noch ist sie denkbar ohne das Ich, dem sie erscheint. So wie bei Buber die Es-Welt wohl ohne Ich nicht denkbar ist, aber dennoch nicht subjektiver Schein: denn sie ist nur das durch die Achsendrehung zum Es verwandelte Du, so ist bei Fichte die Welt Erscheinung und doch nicht Schein, Äußerung, Leben des Absoluten, Wort Gottes. Die Projectio erfolgt durch das Ich hindurch, sie geschieht am Ich, aber das Subjekt erzeugt die erscheinende Welt nicht, sondern ist nur der Schauplatz, auf dem sie auftritt, ist „Erlebnisstätte66 (Emil Lask). Die Dinge werden dem Menschen zugereicht, sagt Buber. Obzwar also die Es-Welt nur als Es-Welt eines Ich denkbar ist, so ist sie doch nicht von ihm erzeugt, wie der subjektive Idealismus annimmt, vielmehr wird der Mensch in die Welt hineingeboren, und dies gilt nicht nur im örtlich-körperlichen Sinne, sondern auch in dem Sinn, daß Fichte sagen konnte: „Der Mensch wird schlechthin im Wissen geboren; sein Dasein bringt das Wissen mit sich, ohne alle sein Zutun und Freiheit . . . Das Wris8en schlechthin durch sich und durch sein Wesen denkt, das Ich wird (vom Wissen) ergriffen, bestimmt und gemacht, weit entfernt, daß es dieses machen sollte" (Transzendentale Logik WW VI, 136). Wir haben hier jenes Übergreifen der objektiven Beziehung, die ein logisches Prius ist gegenüber dem Subjekt, in das sie eintritt, so wie wir dies bei Buber an der Liebe, Sprache usw. kennengelernt haben. Dies ist der entscheidende Gedanke, welcher Fichte verhilft, das erkenntnistheoretische Problem zu lösen bzw. als Scheinproblem zu entlarven. Die Frage: Wie kommt das Ich an die Dinge heran oder die Dinge in das Ich hinein, kann nur aufgeworfen werden solange man glaubt, das Ich erzeuge die Relationen zwischen Anschauung und Begriff, welche das Wissen charakterisieren, aus sich heraus. Demgegenüber betont Fichte, daß das Subjekt die Welt nicht aus sich erzeuge, sondern ihr eingeboren ist, freilich nicht der Welt der Dinge an sich, wie der vorkantische Dogmatismus glaubte, sondern der Welt der Beziehung, wie Buber sagt, dem „Sein". Der Mensch kann immerwährend in dieses Sein, in diese Beziehung eintreten, als Liebender, als Erkennender. Freilich: Erkennen heißt aufeinander beziehen, Vielheit zur Einheit verbin- *) Loewe, Die Philosophie Fichtes S. 64. 100

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