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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 98

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Begriff und Wirklichkeit
Date
1928-01-01
Page
98 (sequence 10)
Language
German
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Hugo Bergmann ein System bilden, so wird auch die Gemeinsamkeit der Es-Welt verständlich. Die Einwirkung von Ich auf Du geschieht nicht durch Vermittlung einer vom Ich unabhängig bestehenden Welt hindurch, sondern in unmittelbarer Weise, gewissermaßen durch außermaterielle Kanäle, welche die einzelnen Iche durch die Gottheit hindurch verbinden1). „Die Einwirkung der Intelligenzen aufeinander wird also nicht dadurch bedingt, daß sie Glieder einer gemeinsamen Welt sind; sondern umgekehrt wird dadurch, daß die Intelligenzen gegenseitig füreinander Intelligenzen sind, das Bewußtsein einer gemeinsamen, objektiven Welt erst möglich2)." Während also Fichte einerseits jetzt anerkennt, daß das Du nicht aus einer Synthese über das Es hinweg gewonnen wird, sondern mit dem Ich zugleich gesetzt, als Wirklichkeit erlebt wird, erkennt er andererseits, daß der transzendentale Idealismus die Objektwelt zu einer idealen, d. h. unwirklichen macht und daß wir daher, wenn wir Wirklichkeit suchen, eine Verbürgung der Wirklichkeit auf anderem Wege anstreben müssen als durch die kategorialen Formen hindurch. Es werden so einerseits die negativen, verflüchtigenden, subjektivierenden Tendenzen des transzendentalen Idealismus bloßgelegt, andererseits aber als die wahre Wirklichkeit das Reich der Iche erkannt, der Geister, die einander Ich und Du sind. Der Durchbruch vom transzendentalen Idealismus zu einem höheren Realismus wurde von Fichte in der „Bestimmung des Mensehen" (1800) deutlich ausgesprochen: „Alle Realität verwandelt sich (dem Idealismus) in einen wunderbaren Traum ohne ein Leben, von welchem geträumt wird und ohne einen Geist, dem da träumt; in einen Traum, der in einem Traum von sich selbst zusammenhängt . . . Alles Wissen ist nur Abbildung . . . und ein System des Wissens ist notwendig ein System bloßer Bilder ohne ihre Realität . . . Eine unabhängig von Dir vorhandene Sinnenwelt, deren Sklave Du zu werden fürchtetest, ist Dir verschwunden; aber diese ganze Sinnenwelt entsteht nur durch das Wissen . . . aber Wissen ist nicht Realität, eben darum, weil es Wissen ist... Wahrheit geben kann es (das idealistische System) nicht; denn es ist in sich selbst absolut leer." Im dritten Buch der „Bestimmung des Menschen", Glauben überschrieben, finden wir dann, 1) Man vergleiche hierzu Ficht es Ausspruch „Wohlverstanden hahe Leibniz mit seiner Monadenlehre recht gehabt". Vgl. Hirsch, Fichtes Religionsph losophie, S. 46. Zum Problem des Du bei Fichte: Loewe, Die Philosophie Fichtes, S. 93ff. 2) Kroner, Von Kant bis Hegel II, 99. Vgl. dort über die entsprechende Lehre Sendlings in seinem „System des transzendentalen Idealismus". 98

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