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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 82

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Briefe eines Nichtzionisten an einen Antizionisten
Date
1928-01-01
Page
82 (sequence 2)
Language
German
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Franz Rosenzweig und X. W., der mir selber einmal zwanzig Minuten lang auseinandersetzte, daß er zum Judentum überhaupt keine Beziehung hätte, wohl aber einen starken und lebendigen Stolz auf seine jüdische Abstammung (X. W.! keiner von den bösen Zionisten!), wenn solche Männer bei uns eine führende Rolle spielen, dann haben wir vom C. V. allen Grund, mit dem Vorwurf des Atheismus an die zionistische Bewegung behutsam umzugehen. Verstehen Sie mich recht: ich wünsche die Arbeit solcher Männer durchaus, auch an führender Stelle, — immer vorausgesetzt, daß sie nicht das Bewußtsein verlieren, daß das Judentum zwar der Politik bedarf, aber keine Politik ist, und aus diesem Bewußtsein den Takt schöpfen, ihr Tun selber auf die Dinge zu beschränken, die nach politischer Behandlung verlangen. Ich halte die Arbeit des C. V. für gut und nötig. Aber was uns recht sein soll, muß den Zionisten billig sein. Territorialfetischismus? — gewiß, ganz meine Ansicht. Aber ist der Staatsfetischismus, der unter uns im Schwange war, auch nur eine Spur besser? Gewiß führt von Cohens deutschem Nationalismus ein Weg zum Messianismus. Aber er ist nicht kürzer als der, der von Bubers zionistischem Nationalimus dahin führt. Und wenn ich Cohens und Bubers Äußerungen während des Krieges vergleiche, muß ich mir gestehen, daß die Haltung des Zionisten messianischer war als die des Liberalen. Jerusalem als messianisches Symbol? Wenn ein Symbol mehr sein soll als ein willkürliches Anhängsel, muß es irgendwo und irgendwie ganz unsymbolische Wirklichkeit sein. Auch nach meinen Erfahrungen macht die Luft von Palästina nicht weise. Aber ich glaube, meine Frankfurter Weisheit wäre doch nicht ohne das Land Israel, und nicht nur nicht ohne das einstige, sondern auch nicht ohne das zukünftige, das, das immer noch eine Zukunft hat. Also nicht ohne das Vergangenheit und Zukunft verbindende, das gegenwärtige. Warm ist es nicht bloß, wo die Sonne hinscheint — das ist der Aberglaube der Zionisten —, sondern überall wo ich einen guten Ofen habe. Aber Kohle und Holz, die mich heute wärmen, wären nicht gewachsen und würden mich nicht wärmen, wenn nicht die Sonne — nicht bloß gewesen wäre, sondern auch wäre. Die wirkliche Sonne, nicht bloß ein noch so schön gemaltes Symbol! ... Frankfurt a. M., den 17. 5. 1927 Ich bin ja ganz Ihrer Meinung betr. des C. V. Er soll ein nur politischer Verein sein. Auch ich halte die Forderung eines „positiven Programms" für ganz verfehlt und nur ganz unprogrammatische, durch lokale und sachliche Bedürfnisse gelegenheitsweise 82

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