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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 67

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Über die erzieherischen Kräfte von Erde und Volk
Date
1928-01-01
Page
67 (sequence 10)
Language
German
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Über die erzieherischen Kräfte von Erde und Volk Erde vorausgehen wird. Hat es doch seinen tiefen Sinn, daß die Bauernvölker sich den Glauben an Gott am längsten bewahren, und daß der jüdische Bauer in Palästina gefühlsmäßig anders der Religion der Väter gegenübersteht als der ostjüdische städtische Arbeiter. Wir müssen die Rückkehr zu einem Leben in unmittelbarer Berührung mit der Erde zu den Handlungen rechnen, die Buber als ein „sich dem Schöpferischen öffnen" bezeichnet. Ist es doch durchaus möglich, daß die Erlebnisfähigkeit dem Göttlichen gegen-* über innerhalb der modernen europäischen Kultur, in einer Welt, die von der Fähigkeit des Menschen viel lauter Zeugnis ablegt als von der Schöpferkraft Gottes, stark herabgesetzt ist. Um die Vielfältigkeit der Dinge der Welt wieder als eine Einheit erfassen zu können, muß man Leib an Leib mit den Dingen leben. Setzt der Mensch zwischen sich und das Ding die Maschine, empfängt} er von den Dingen nicht mehr die körperliche Wärme, unter der allein die Erfassung der Dinge als eine Einheit, das Erlebnis Gottes, möglich ist. Es wird hier nicht die übliche Klage gegen die technische Kultur erhoben und es wird kein romantisches Rezept zu ihrer Bekämpfung empfohlen. Es wird nur der Zweifel ausgesprochen, ob innerhalb dieser Kultur überhaupt die Voraussetzungen für ein religiöses Erleben im Sinne der alten Religion gegeben sind. „Sich dem Schöpferischen öffnen66, heißt, daß das zeitliche „Ich66 Platz macht, um das Unzeitliche, Ewige hineinzulassen. Wir müssen also danach streben, überall, wo wir es können, dem Ewigen, Unzeitlichen gegenüberzutreten, und ohne Zweifel spricht dieses in den großen Linien, die eine Landschaft begrenzen, stärker zu uns als in der Stadt, dem Zentrum des Europäertums. Der Gott des heutigen Judentums ist wie jeder Gott einmal aus dem Erlebnis der Verbundenheit zwischen Mensch und Himmel und Erde geboren. Von diesem Urerlebnis empfängt noch heute das fromme Judentum auf unterirdischem Wege seine bewegende Kraft. Hört die Bewegung einmal auf, reißt die Kontinuität der Überlieferung, weil die Zeit zwischen Urerlebnis und dem Heute zu lang geworden und die Gegenwart nicht dazu angetan ist, um als neue Stromquelle zu wirken, so kann vielleicht keine andere Kraft das Herz dieses religiösen Lebens wieder zum Schlagen bringen, als wieder die Gewalt jenes Urerlebnisses selber. Wo die Kette der jüdisch-religiösen Tradition zerrissen ist, wird eine Stätte neuen religiösen Erlebens einmal das palästinensische Bauerntum sein. In naher Verbindung mit der Erde, einer Schöpfung Gottes, in einer Stille, die nicht Tag und Nacht übertönt 5* 67

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