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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 66

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Über die erzieherischen Kräfte von Erde und Volk
Date
1928-01-01
Page
66 (sequence 9)
Language
German
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Siegfried Lehmann Rettung", so liegt dem jenes religiöse Erlebnis vom „Mütterchen Rußland", Urmutter Volk, zugrunde. „Die Jugend sucht die Wahrheit", heißt es in dem Brief an die Studenten weiter, „Gott weiß wo, an den absonderlichsten Quellen (auch hierin gleicht sie der durch und durch verfaulten europäisch-russischen Gesell* schaft, die sie hervorgebracht hat) und nicht im Volke, nicht auf der eigenen Scholle ... In unserer durchfaulten Gesellschaft herrscht nichts als eitle Lüge. Sie kann sich aus eigener Kraft nicht mehr halten. Nur das Volk allein ist stark und fest." Etwas von diesem Glauben an das Ewige, Unzeitliche, das im jWesen „Volk" liegt, wird einmal die in Palästina aufwachsende Jugend bewegen. Heute lebt noch im jüdischen Osten mehr „Volk" als in Palästina; breite Schichten wurzeln hier noch im Mutterboden Volk und deshalb treibt hauptsächlich die Schichten, die sich schon von diesem Mutterboden zu entwurzeln beginnen, die Sehnsucht nach einer neuen Mutterimago nach, der palästinensischen Erde. — Wo Volk und Erde im Osten als gegensätzliche Strebungen in den Parteiprogrammen auftreten, wird der Kampf mit einer Maßlosigkeit geführt, die uns nur verständlich ist, wenn wir erkennen, daß es hier um letzte Dinge, um den Kampf um die Mutter geht. (Noch heute ist ein Fluch, in dem die Mutter des Gegners beschimpft wird, der wirksamste Fluch in den slawischen Sprachen.) Vielleicht werden noch einige Generationen vergehen, bis der Jude in Palästina wieder voll und ganz das Volk als den uralten Strom, der durch die Jahrtausende fließt und von dem er nur ein Tropfen ist, empfindet, bis er vor sein Volk sich stellt wie der Chinese sich vor das Bild seines Ahnen: als das Glied der Kette, welche über alles Zeitliche hinaus Vergangenheit mit Zukunft bindet. Dieses unbewußte Eingereihtsein als ein Glied einer unendlichen Kette wird dem Juden das Gefühl der Ruhe und der Sicherheit zurückgeben, das wir Europäer längst verloren haben. 5. Zu Reginn unserer Untersuchung fragten wir, welche Erwartungen wir auf die Erziehung einer neuen Jugend in Palästina setzen können, welche Bindungen dem Leben der kommenden Generationen in Palästina neuen Sinn und festen Halt geben könnten. Diese Bindungen sind Erde und Volk. Manchem frommen Juden wird diese Rückkehr wenig bedeuten, er wird die religiöse Komponente dieser Bindungen nicht klar sehen und sie in ihrer Bedeutung gering schätzen. Und dennoch scheint es, als ob der Rückkehr zu Gott die Rückkehr zur 66

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