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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 49

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Zum Problem der jüdischen öffentlichen Meinung
Date
1928-01-01
Page
49 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Zum Problem der jüdischen öffentlichen Meinung berechtigung anzulegen sei und gruppierte seine neuentstehenden modernen jüdischen Parteien um die nur quantitativ voneinander verschiedenen Antworten darauf. So wuchsen West und Ost auseinander: beide um ein eigenes Zentrum der öffentlichen Meinung gruppiert und ohne Verständnis für das des anderen. Der Zionismus erst hat sie wieder zusammengeführt und wiederum jedem Juden der Welt, wo er auch wohne, eine Mittelpunktsfrage gezeigt, zu der er nun „Ja!" oder „Nein!" zu sagen hat. 3. Das Ende dieser geschichtlichen Skizze entläßt uns in die Gegenwart mit ihrer Unzahl jüdischer Zeitungen fast jeder Art und wohl auch fast aller Sprachen. Soweit wir sehen können, drohen der modernen jüdischen öffentlichen Meinung zwei Gefahren: die der Apologetik und die der Propaganda, welche ja gleichsam positive, aktive Apologetik ist. Die assimilatorische Presse ist immer in der Verteidigung, die nationale immer im Angriff, und wenn auch die jiddischen und hebräischen Zeitungen durch ihre Sprachform nun jenen „Innenraum" besitzen, den wir als Vorbedingung gesunder Meinungsäußerung angesprochen haben, so unterliegen auch sie noch allzu häufig den Sünden der Vergangenheit. Es gibt nur sehr wenige Männer unter uns, die den Dienst an unserer Öffentlichkeit in der rechten Mitte zwischen den beiden Gefahren der Apologetik und der Propaganda tun: Achad Haam war einer von ihnen, Martin Buber ist es noch. Seine Zeitschrift „Der Jude" war in dieser Beziehung eine Epoche: sie schuf erstmals für das deutschsprachige Judentum den „Innenraum" unverzerrter, ehrlicher Selbstdarstellung und Kritik nach außen und innen, in den, höchst kennzeichnenderweise, nun auch führende Nichtjuden einzutreten suchten, um die jüdische öffentliche Meinung nach einer ihr bisher fehlenden Seite hin zu ergänzen: hatten schon lange Juden vor Nichtjuden und Juden vor Juden gesprochen, so traten nun auch Nichtjuden vor ein jüdisches Form, um ihre Meinung zu unseren Dingen zu sagen. Die unbedingte Redlichkeit des Führers dieser Zeitschrift, die vielleicht den innersten Kern seiner großen geistigen Leistung ausmacht, schuf eine ganz neue publizistische Atmosphäre für die Judenfrage, von der zu wünschen wäre, daß sie auch in alle Äußerungen des öffentlichen hebräischen Wortes recht kräftig eindringe. Die erste „Rede über das Judentum" schließt Buber bekanntlich mit der wunderbaren Sage vom Messias, der als Bettler vor den Toren Roms sitzt und „auf dich" wartet. So sprach Buber als ein Einzelner. Aber in diesen Tagen erzählte mir Ben Chaim, Mitglied 4 Der Jude, Sonderheft 49

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