Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Zionismus als unendliche Aufgabe
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Robert Weltsch neuerung des Judentums letzten Endes ein geistiger Vorgang sein muß, wer darauf hofft und — „bereit ist", der wird in den Bezirken des irdischen Lehens nur vor dem Schein, nur vor der Geistverzerrung sich hüten und die Dinge, die dort am Platze sind, ohne Überschätzung und ohne Unterschätzung tun. Buber hat einmal darauf hingewiesen, daß man nicht mit dem Gegensatz Organisation—Idee operieren solle, sondern in der Sphäre des organisatorischen Tuns heiße der Gegensatz: gute und schlechte Organisation, Dasselbe gilt innerhalb aller Bezirke. Ethisch klingende Ablehnungen sind hier oft nur intellektualistische Geste. Der wahre Gegensatz, um den es geht, ist der zwischen realem und fiktivem Tun. Vielleicht ist gerade diese nüchterne Weltbejahung, das Auf sichnehmen der Verantwortung für tatsächliches irdisches Geschehen, das auszeichnende Kennzeichen des Zionisten. Man hat innerhalb des zionistischen KLreises uns vorgeworfen, daß wir „die liberale Missionstheorie aufwärmen6', weil wir von der Erneuerung des Judentums als einem geistigen Phänomen sprechen, weil wir an eine religiöse Sendung des Judentums in der Menschheit glauben. Dieser Vorwurf läßt uns unberührt. Denn die „Missionstheorie" ist nicht in ihrem Wesen, sondern nur in ihrer assimilatorisch-opportunistischen Appretur abzulehnen; soweit sie einen religiösen geistigen Gedanken meint, ist in ihr tatsächlich eine jüdische Zukunftsvorstellung enthalten. Aber was uns entscheidend von diesen liberalen „Missions"-Theoretikern trennt, ist die Verantwortung für das reale irdische jüdische Sein, ohne das jede Mission Fiktion ist. Im realen jüdischen Leben, das aus seinen Schlacken befreit werden und wieder in Reinheit als solches kenntlich sein muß, in einer lebendigen, schaffenden, leidenden, jubelnden jüdischen Gemeinschaft, wird dieser Mission ein legitimer Träger entstehen. Wir arbeiten für die Schaffung dieses Lebens in Palästina, der Kleinarbeit am alltäglichen, allzu menschlichen, materiell verstrickten Werk gilt unsere Sorge; aber zugleich sind wir erfüllt von der Hoffnung, daß die wahre Erneuerung die Gemeinschaft ergreifen wird. Die Tendenz der Verwirklichung, die Idee in ihr wachzuhalten, ist Zionismus — als unendliche Aufgabe. Man ist nicht befugt, den Zionismus nach der Dogmatik einer Parteimaschinerie zu beurteilen, die notwendig ist, aber die Bewegung weder auf die Dauer zu repräsentieren, noch zu erlsetzen vermag. Dazu kommt, daß in den Formen des Parteilebens sich im Grunde nur die eine, „maskilische" Komponente des Zionismus ausdrücken kann; die andere, die messianische, ist in Paragraphen und Resolutionen nicht faßbar, aber sie ist es, die Zionismus als Bewegung schuf, wenn auch oft unter der Oberfläche. Die große 40