Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Zionismus als unendliche Aufgabe
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 39 (sequence 7)
- Language
- German
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Zionismus als unendliche Aufgabe Antwort geben. Wenn der Moment gekommen ist, wo sich neue Juden um des Geistes, um der Gerechtigkeit, um des Judentums willen zu neuem Leben zusammentun, kann ein religiöser Wille sie von allen materiellen Abhängigkeiten befreien. Die Tragik des Widerspruches der ideellen Forderung und des irdischen Gebundenseins kann sich in religiöser Erhebung lösen. Dieser äußere Untergang kann innerer Sieg, Erneuerung sein. Aber dies ist nicht ein „Programm", nicht unser Programm, nicht mit dieser jetzigen und hiesigen zionistischen Arbeit zu verwechseln, wenn der Moment nicht da ist. Der Wille der Verwirklichung im empirischen Zionismus hat zwar religiöse Elemente in sich, aber er ist keine religiöse Erhebung von letzter Entscheidungsgeltung. Und obwohl wir erschauernd den Gedanken einer solchen tragischen Wiedergeburt des Judentums in unserem Herzen bergen, haben wir kein Recht, mit diesem Gedanken zu spielen. Die Antwort, die Buber uns gegeben hat, ist: Im empirischen Leben — wo die Forderung der „Unbedingtheit" doch nicht abstrakt formal, sondern in der ganz bestimmten konkreten Fülle des Geschehens dasteht — kommt es darauf an, die Demarkationslinie an der rechten Stelle zu ziehen. Die Beachtung der materiellen Notwendigkeiten eines bestimmten Werkes, in unserem Falle einer Kolonisation, darf nicht das geistige Ziel und den Willen, das Rechte zu tun, verdrängen. Aber das geistige („nationale" oder „soziale") Ziel darf auch nicht vergessen machen, daß Außerachtlassung der wirtschaftlichen und technischen Gesetze zu einem Chaos führt. Leicht kann der Mensch und die ganze Bewegung zu hoch oder zu niedrig fahren. Die Aufgabe ist, die Demarkationslinie zu finden. Im praktischen Handeln des Zionismus sind Realitäten der Politik, der Volkspsychologie, der Wirtschaft, ja der Geographie und Physik, zu respektieren und zu bewältigen. In jedem dieser Bereiche nicht abstrakte Begriffe und fiktive Zustände zu Formeln zu verarbeiten, sondern den Gegebenheiten ins Auge zu sehen und real zu handeln, ist geboten. Darum gesellen wir uns nicht zu den Verneinern, die etwa eine gegebene und geschichtlich gewordene politische Plattform verwerfen, oder zu denen, die eine sehr unvollkommene und entartete Organisation bespötteln, oder zu denen, die in Produktionsbedürfnis und Psychologie begründete Wirtschaftsmethoden ablehnen. Nicht solche Verneinung ist eine Rettung. Aber worauf es wirklich ankommt, ist: Dieses politische Werkzeug, diese organisatorische Prozedur, dieses wirtschaftliche Tun — dies jedes in seinem Bereich gelten zu lassen, aber zu verhindern, daß es den Geist besiegt. Wer diese Dinge nicht anerkennt, den wird man leicht desavouieren können; wer aber weiß, daß die Er- 39