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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 36

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Zionismus als unendliche Aufgabe
Date
1928-01-01
Page
36 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Robert Weltsch fung aller überkommenen Begriffe und Formeln einsetzt. Denn die erste Forderung innerer Wahrhaftigkeit ist die Zerstörung von Fiktionen, die all unser Tun ins Wesenlose treiben. Mit dem vollen Bewußtsein, daß unser Ziel die Erneuerung des Judentums, also ein neues Menschentum ist, dürfen wir doch bei unserem realen Handeln die realen Gegebenheilen nicht übersehen oder wegtheoretisieren. Gerade wenn wir ein Letztes wollen, gerade dann müssen wir über das Tatsächliche in seiner Sphäre Herr werden* Der Zionismus darf in der Politik die Faktoren des palästinensischen Lebens nicht ignorieren. Die praktische Arbeit des Zionismus muß sich nach den Gesetzen richten, die für eine Tätigkeit der betreffenden Art gelten. Im Wirtschaftlichen muß sie die Wirtschaftsgesetze beobachten, im Finanziellen die Gebote guter Finanzgebarung, im Technischen die maßgebende Regel der Fachwissenschaft. Ein völliges Verkennen des idealen Sinnes läge darin, wollte man irrationale Momente in dieses rationale Tun hineinmischen. Und die Realitäten begrenzen hier unsere Möglichkeiten. Dies wissen, erleichtert einesteils bessere Beherrschung dieser Gebiete, andernteils aber deutlichere Erkenntnis zionistischen Werdens. Der Zionismus als der Wille zur Verwirklichung der Idee der Erneuerung des Judentums ist eine unendliche Aufgabe; aber in jedem endlichen Stadium fordert sie Beachtung und Erfüllung endlicher Gesetze. Wo stehen wir heute? Ist der Zionismus eine Idee, dann liegt seine Verwirklichung am Ende der Zeiten. Im Endlichen muß sie immer wieder scheitern, um stets von neuem zu beginnen* Waren wir nicht schon vor sieben oder acht Jahren geneigt zu glauben, daß der Tag der Verwirklichung gekommen ist? Der Weg persönlicher Lebenserneuerung, der Errichtung der wahrhaften jüdischen Gemeinschaft in Zion, ist von Tausenden jungen Juden beschritten worden. Wir erlebten eine Manifestation ursprünglicher Religiosität; ein neues jüdisches Lebensgefühl suchte seine Form. Aber da sich der Vorgang in der materiellen Welt abspielte und daher materielle Voraussetzungen hatte, zeigte sich das antinomische Paradox: in der Zeit, in der Irdischkeit des diesseitigen Menschenlebens ist die Erfüllung an harte irdische Bedingungen gebunden; auch die Tendenz der Verwirklichung hat im Prozeß der Geschichte nur eine dialektische Funktion. Sie reißt die Geschichte vorwärts, aber das Ziel bleibt in unendlicher Ferne. Es bleibt das Ziel. Die metaphysische Katastrophe unserer Materialisation, vom Judentum endgültig symbolisiert im Mythos vom Sündenfall, beherrscht alles menschliche Geschehen: die irdischen Bedürfnisse fordern ihr Recht. Und wenn andere Systeme sich dadurch helfen, 36

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