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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Die Biologie des Zionismus
Date
1928-01-01
Page
31 (sequence 11)
Language
German
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Die Biologie des Zionismus etems" stehen und nur die „normalen Gesetze der Wirtschaft" anerkennen. Sehen wir davon ab, daß diese Forderungen von Menschen erhoben werden, die den Stempel der Partei nur allzu sichtbar auf der Stirne tragen. Was schlimmer ist, Leute sprechen von einem normalen europäischen Wirtschaftssystem als einer ausgemachten Sache. Aber es gibt kein europäisches Wirtschaftssystem, es gibt nur ein europäisches Wirtschaftschaos. Es ist fraglich, ob die Menschheit überhaupt bisher nach einem System gewirtschaftet hat — denn ein System setzt Wissenschaft voraus, und eine Wirtschaftswissenschaft gibt es noch keine zweihundert Jahre. Man kann das statistische Resultat ungeregelter Handlungen nicht ein System nennen. Auch das Chaos hat seine Gesetze, aber sie machen es nicht zu einem System und seine „Gesetze" folgen keinen Normen, sondern sind das Resultat des Durcheinanders. Die europäische Menschheit hat bisher nur in einem Falle systematisch gewirtschaftet: im Kriege. Nun, jene „bürgerlichen" Zionisten mögen es sich gesagt sein lassen: es gibt keinen bürgerlichen Zionismus, weil man keine Bürger kolonisieren kann. Man kann nur Arbeiter kolonisieren. Es gibt allerdings auch keinen marxistischen Zionismus. Aber arbeitende Menschen kolonisieren um ihretwillen und nicht zum Zwecke der Bereitstellung eines ausbeutungsfähigen Materials — das ist Sozialismus, man mag den Namen lieben oder nicht. Und jeder Zionist, der Arbeiter um ihretwillen kolonisieren will, ist in diesem Sinne Sozialist — auch wenn er sonst nichts von Sozialismus wissen will. Zum Beschluß Ich bin mit meinem Brief zu Ende. Morgen bin ich wieder in meinen Alltag verstrickt, er heißt derzeit für mich: Bau eines Eisenbetonlagerhauses von 4000 qm Grundfläche im Hafen von Jaffa. Zwar keine Arbeit unter dem Aspekt der Ewigkeiten und anscheinend kaum irgendwie dem Zionismus verbunden, aber doch immerhin eine, die sich unter das einreiht, was Buber „Landespolitik" genannt hat: „Alle Anstrengung darauf richten, das Land aufzubauen. Nicht bloß die Nation im Lande, und dieses nur, soweit es ihr Gedeihen erfordert, sondern um seiner selbst willen das Land." Und die schöpferische Urkraft des Lebens und die Erlösung der Welt? Hier und heute eine Ahnung, eine Gewißheit — morgen am Zeichentisch eine mystische Phantasie? Darauf kann ich nur eines sagen: was weiß ich in Wirklichkeit 31

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