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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 32

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Die Biologie des Zionismus
Date
1928-01-01
Page
32 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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Markus Reiner vom Wege des Lebens, was von geologischer Vergangenheit, was von messianischer Zukunft? — Aber eines weiß ich: Ich bin zum Zionismus und dazu, daß ich heute hier in der Baracke am Fuße des Gilboa sitze und morgen im Bureau des Departements of Public Works in Jerusalem durch keine Theorie gekommen. Ich bin nicht überredet worden. In jenem Czernowitz, von dem das Sadagora, das Buber in seinem „Weg zum Chassidismus" erwähnt, der Vorort ist, zur Welt gekommen, konnte ich nie das sein, was man in westlichen Ländern einen Assimilanten nannte. Ich war selbstverständlich und zugegebenermaßen Jude. Aber dieses Judesein war mir irrelevant, ich konnte es nicht als Bestimmungsmoment meines Handelns erkennen. Ich war Tolstoianer, Sozialist, Anarchist — was weiß ich. Den Zionismus kannte ich, ohne ihm Interesse abzugewinnen ... Und eines Tages erfaßte es mich, unmerkbar, wie ein Dieb über Nacht, mit ungeheurer Gewalt. Ich fühlte, ich wußte plötzlich, nur dort, „auf der schmalen kanaanäischen Erde" kann mein Leben Sinn erhalten. Und so wurde ich Zionist, in nicht mehr jungen Jahren. — Es erfaßte mich mit einer Gewalt, vergleichbar all jenen Gewalten, die einen Menschen vor die Alternative stellen können: leb' oder vergeh! Das war nichts, was irgendwie aus gesellschaftlichen Beziehungen kam, hier war keine soziologische Kategorie zuständig: es war das Leben, der Kern meiner Existenz. Und noch eines Aber vergessen wir nicht, daß dieser lebendige, irrationale Zwang bindend ist nur für jene, die er erfaßt. Assimilation ist etwas Natürliches und die jüdische Existenz aufreizend. Und es gibt nichts, was gegen Assimilation gesagt v/erden kann, als daß es sie eben, die jüdische Assimilation, nicht gibt. Zionismus als künstliche Mache wäre verwerflich. Es gibt keine andere Rechtfertigung für den Zionismus, als daß es Zionisten gibt: nolens volens. Und so ist unsere lebendige Existenz auch unser einziger politischer Rechtsgrund, so sehr, daß in einem so politischen Dokument wie Herbert Samuels Bericht über seine fünfjährige Regierung, das abschließende Wort über das Jüdische Nationale Heim lautet: „Der Prozeß seines Aufbaues ist nicht das Werk einer Regierung; es ist kein künstliches Machwerk der Gesetze und amtlicher Aufpäppelung. Es ist das Werk der Juden allein." Also: biologischer gegen politischen Zionismus von einem Politiker. Mehr kann man doch gewiß nicht verlangen. Und damit verbleibe ich Ihr Markus Reiner... Beth Alpha, im Februar 1928. 32

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