Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Die Biologie des Zionismus
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 29 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Die Biologie des Zionismus Sprache, ein erster unklarer Versuch der Chaluzijuth . . . dieses Kind nun wurde in einen Frack gesteckt und hatte hei Fürsten und Ministern zu antichambrieren, mußte großtun, lügen, bestechen, betrügen — kurz all das, was ein Diplomat tun muß, um seine Sache zu „Erfolg" zu bringen, was aber eine geistige Bewegung nicht tun darf, ohne sich zu korrumpieren. Daß dabei der Geist doch nicht verloren ging, daß aus dem Stammeln ein Sprechen wurde, daß die Qialuzijuth in voller Klarheit ihres Zieles erneut und um so viel stärker einsetzte — all das war jenen lebendigen Kräften zuzuschreiben, die der politische Zionismus nicht gefördert — nur verwirrt hatte. Und so haben wir die Balfourdeklaration bekommen. Basiert auf dem Irrtum, daß wir das gesamte Weltjudentum vertreten, nicht sein Herz, sondern vielmehr seine Börse; was das Foreign office wohl geradeso voraussetzte, wie seinerzeit Herzl es der Hohen Pforte einzureden versuchte (eine Taktik, vor der Nordau warnte, und die mitzumachen er sich weigerte). Man ist natürlich bereits dahinter gekommen, wir aber waren dadurch gezwungen, groß zu tun, auf den äußeren Schein hin zu leben, zu bramarbasieren und zu bluffen. Politik auf lange Sicht, Wahre zionistische Politik kann aber nicht Augenblickspolitik, sondern nur Politik auf lange Sicht sein. Vergessen wir nicht, daß wir nicht in der Situation etwa der Tschechen oder Iren sind, für die es in erster Linie darauf ankam, die Macht zu erlangen und die dann in Ruhe an den kulturell-wirtschaftlichen Aufbau ihres Volkes gehen konnten. Wir sind ja noch gar nicht an Ort und Stelle, mit Macht ist uns nicht gedient, wir wüßten kaum was mit ihr anzufangen. Wir können weder Macht gebrauchen noch uns mit ihr verbünden. Was wir könnten, hat Buber uns in seiner vierten Rede gesagt: das „Mittlervolk" sein, „das alle Weisheit und Kunst des Abendlandes erworben und sein orientalisches Urwesen nicht verloren hat" und das berufen ist, „Orient und Okzident zu fruchtbarer Gegenseitigkeit zu verknüpfen". (Ist dies im Rahmen des „British Commonwealth" möglich, dann um so besser, und nur jene Männer des britischen Imperiums, die diese Auffassung haben, können unsere Verbündeten sein.) Dann werden wir unser Teil an der Vereinigung der Menschheit zu einem Wesen beigetragen haben, dann werden wir uns nicht vermessen haben, uns dem Strome entgegenzusetzen, sondern in ihm und, hoffen wir es, führend marschieren. Dazu gehört aber natürlich ein anderes Verhältnis zum arabi- 29