Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Die Biologie des Zionismus
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 27 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Biologie des Zionismus Bewußtseins — und soviel wir wissen, gibt es Leben nur gerade auf der Erde und bewußtes Leben ausschließlich und gerade nur im Menschen. Dies ist der neue Geo- und Anthropozentrismus. Er mag falsch sein — aber er kann auch richtig sein, wir wissen nichts, was gegen ihn spräche. Wir waren sehr eingeschüchtert und bescheiden geworden. Und nun geschieht es uns wie einem Menschen, den glaubte, „es würde auch ohne ihn gehen", und plötzlich findet er, daß er, gerade er, die große Rolle spielen soll. (In Parenthese: dieser biologische Anthropozentrismus hat nichts mit jenem des philosophischen Idealismus zu tun. Hier, in dieser Welt des Raumes und der Zeit sollen wir Zentrum sein, hier ist uns die Aufgabe gesetzt, in der lebendigen Zeit, die nicht die Schattenzeit ist der Physik und Geometrie.) Hat das 19. Jahrhundert dem Menschen den göttlichen Ursprung genommen, so gibt diese Auffassung, sagen wir des 20., ihm die Göttlichkeit in ungeahntem Ausmaße wieder zurück. Das höchste Wesen ist entdeckt: im Menschen. Radikaler Zionismus Dies ist die einzige standfeste, die wirklich radikale Ideologie des Zionismus, und ich möchte nur kurz zeigen, wie man in ihr einen Standpunkt gewiimt, von dem aus man, wie von jeder richtigen Ideologie, die unmittelbarsten und nächsten Probleme des Tages — und natürlich noch viel mehr dazu — übersehen kann. — Diese Ideologie fügt den Zionismus ein in das wachsende neue Weltgefühl. In jenes Weltgefühl, von dem Buber 1910 sagte: „Ich meine das Weltgefühl, das in uns Heutigen, in uns Vorangehenden, Vorübergehenden zu keimen beginnt und das in den Menschen eines kommenden Geschlechts aufblühen wird." Es fängt zu blühen an. Die Menschheit beginnt sich als eine Einheit zu fühlen, allerorten, über Farbe und Rasse hinweg . . . und es gibt Zionisten, die glauben, wir könnten uns mitten auf der Heerstraße unser Hüttchen bauen, uns abschließend, ja uns entgegenstemmend! . . . Wenden wir uns von diesen Augenblickspolitikern, die „zurück zu Herzl!" rufen, wo sie doch mitten drin stehen, zurück nach unseren wahren Realpolitikern, von den Propheten unserer ersten Jugend (fälschlich Antike genannt) bis zu Martin Buber. Vergessen wir auch Jesus von Nazareth nicht, diesen bedeutenden (unter anderem) Kriegstheoretiker, der den endgültigen Ausspruch tat: „Wer das Schwert erhebt, wird durch das Schwert umkommen", mit dem er eine größere Einsicht in das Wesen des Krieges und des bewaffneten Kampfes bewies, als z. B. unsere bekannten Illusionisten, Revisionisten. Besinnen wir uns und stellen wir un- 27