Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Die Biologie des Zionismus
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 24 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Markus Reiner durch seine Verwirklichung. Und Gott verwirklichen hieße, wie er es später erklärte (Vorrede zur Gesamtausgabe): „Gott die Welt zu einem Ort seiner Wirklichkeit bereiten." Ich denke, lieber Hans Kohn, daß es von äußerster Wichtigkeit ist, diese Worte so konkret als möglich zu nehmen. Ich werde deshalb an meiner biologischen Auffassung festhalten^ auf die Buber selbst uns wies. Für Blut setzten wir Keimplasma. Aber ist unser Keimplasma unser unsterbliches Teil, so ist es doch nicht das unsterbliche Wesen schlechtweg. Es ist Leben — aber lange nicht alles Leben. Es ist nur eine seiner vielen, unendlich vielen Manifestationen — so viele Arten und Gattungen des Keimplasmas gibt es, als es Arten und Gattungen lebendiger Wesen gibt. — Und nun müssen wir auch etwas korrigieren, was wir vorhin voreilig aussprachen: das Keimplasma stürbe nicht. Wissen wir denn nicht von großen, mächtigen Arten und Gattungen der Vergangenheit, die ausgestorben sind? Wo ist das gewaltige Reich der Saurier? Es ist restlos verschwunden. Keine Art und keine Gattung ist unsterblich. Sie sind Versuche des einen unsterblichen Wesens, sich zu verwirklichen, sie sind Versuche des Lebens, die Welt sich zu einem Ort der Wirklichkeit zu bereiten. Gott ist das Leben So können wir also sagen, Gott ist das Leben, und so sind wir Menschen seine Geschöpfe. Geschöpfe, keinen anderen gleich, von denen, die wir kennen. Geschöpfe, in denen das Leben sich seiner selbst bewußt geworden ist. Müssen wir das Reich der Saurier als einen Versuch des Lebens, sich in der Welt zu realisieren, betrachten, so war es ein mißlungener Versuch. Mißlungen, wurden sie verworfen; das Leben zog sich aus ihnen zurück: sie starben. Ein Werkzeug fehlte: das Bewußtsein. In einer anderen Art war Anlage vorgebildet: das Reich der Säugetiere erhebt sich, regiert vom Menschen. Noch war dieser ein Kind, erlebt zunächst die Umwelt, fühlt sich als Teil der Natur, ist sich seiner besonderen Aufgabe nicht bewußt — und entdeckt erst allmählich sein Ich, entdeckt erst allmählich seinen Weg, den Weg der Menschheit, der Erlösung Gottes durch die Kreatur in der messianischen Welt (zweite Rede). Das Judentum und die Menschheit Haben wir dies alles richtig gesehen, so müssen wir mit Buber sagen: „Alle Menschen kennen irgendwie, noch so dumpf, diese Berufung unseres Menschseins. Aber einst erfuhr ein Volk sie, 24