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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 23

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Die Biologie des Zionismus
Date
1928-01-01
Page
23 (sequence 3)
Language
German
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Die Biologie des Zionismus zes, es sichert den Zusammenhang. Blut stirbt ebenso wie Hirn mit dem Individuum. Mein Keimplasma lebt in meinem Sohne fort. Weiß man so, daß dieses Fortleben in der nächsten Generation, dieses Fortführen der vergangenen Generationen, diese Unsterblichkeit kein Wunschbild ist, sondern eine wörtliche Wirklichkeit — wie schrumpft doch dann die Zeit zusammen, wie nahe wird Vergangenheit, wie jung wird diese Erde. Ich stehe auf dem Gilboa, auf dessen Fuß das Lager von Beth Alfa ruht, — und unten dehnt sich langgestreckt das Tal, vom Karmel bis zum Jordan, und Siedlung an Siedlung, weiße Häuser, Zelte und Baracken. Links Ejn Harod — war es nicht gestern, daß Gideon seine Kämpfer aus der •Quelle trinken ließ? Und rechts Beth Schan, weinen nicht heute noch die Töchter Israels um Saul? Wann war es doch? — Laßt uns sehen, was sind dreitausend Jahre? Meine achtzigjährige Mutter freut sich ihres Urenkelkindes. Dreitausend durch achtzig gibt weniger als vierzig. Eine Schnur, kaum dreißig Meter lang, da vor mir aufgestellt, mit einem Blick umfaßt die Reihe der Ahnen von Saul bis zu mir, dies ist der Sphärenreigen von Zeugungen und Geburten: ja, er hat eben erst begonnen. Die Geschichte fängt an Hat aber diese Geschlechterreihe eben erst begonnen, so heißt das, daß Geschichte eben angefangen hat. Was vorher war, ist Mythus, auch wo historisch beglaubigt. Wir wissen nicht, wie alt das Leben ist. Aber wir wissen, wann es Selbstbewußtsein bekam: mit uns. „Das Kind erlebt zunächst die Umwelt und entdeckt erst allmählich sein Ich, lernt allmählich erst seinen Körper als Sonderexistenz aus der Masse der Dinge scheiden66 (Buber, erste Rede). Solange das lebendige Wesen sich einen Teil der Natur wähnt, hat es kein Selbstbewußtsein. Animismus und Pantheismus sind infantile Stufen — die gereifte Erkenntnis entdeckt „das Mysterium der Urzweiheit" (Buber, zweite Rede), die Dualität von Natur und Leben. Natur ist Tod — Leben ist seine Überwindung. Und Leben allein hat Geschichte. — Die tote Welt, die Welt der Physik, ist zeitlos; ja man kann sagen, exakte Wissenschaft sei die Lehre von den Dingen, die keine Geschichte haben. Was Geschichte hat, lebt, und Leben allein hat Geschichte. Der Weg der Geschichte Was ist ihr Weg? . . . Vom Gilboa aus ist er nicht zu erspähen — du mußt höher dich erheben. So hoch als eines Menschen Wort dich zu erheben vermag, als Bubers Wort uns erhob. Buber wies ihn uns in seiner zweiten Rede: die Erlösung Gottes 23

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