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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 22

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Die Biologie des Zionismus
Date
1928-01-01
Page
22 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Markus Reiner Und so hätte ich wahrscheinlich geschwiegen* Wenn nicht ein glücklicher Zufall mich gerade jetzt meiner Tagesarbeit entrissen und mich zu einigen freien Tagen nach der Siedlung Beth Alfa ins Emek Jisreel geführt hätte. Ach, dieser Anblick, diese Luft und diese Erde gibt dem Menschen Stärke und man fühlt sich in ein größeres Ganzes eingeordnet und seine Existenz der Zufälligkeit entkleidet. Das Individuelle verblaßt — ja man kann nicht anders als typisch sein . . . Aber auch so erwarten Sie nicht etwa eine systematische Abhandlung. Ich werde mich von den Kräften, die hier aus diesem Boden strahlen müssen, die zwischen diesen Menschen weben, die diesen Raum durchströmen, treiben lassen ... so wird es nur ein Brief. Das größere Ganze Was ist das größere Ganze, von dem ich eben sprach? Es ist das, was Buber in der ersten seiner Reden, die für uns alle, die wir uns hier vereinigt haben ihn zu grüßen, so bestimmend wurden, was er in der ersten der Reden über das Judentum das Blut nannte. Das Blut als der „wurzelhaften, nährenden Macht im Einzelnen66, das „die tiefsten Schichten, unseres Wesens bestimmt", das „unsere Gedanken und unseren Willen zu innerst färbt64, das Blut „als die tiefste Machtschicht der Seele66. Es ist merkwürdig, daß Buber seiner zionistischen Ideologie etwas anscheinend so Materielles zugrunde legt, wie das Blut. Nicht von der Schicksalsgemeinschaft spricht er: was wir erlitten, ist keine autonome Wirklichkeit; nicht von Offenbarung und dem Buch: unsere Religiosität mag eine Erinnerung und eine Hoffnung sein, sie ist doch keine Gegenwart. Und nun das Blut, ein Stoff, ein ganz besonderer Stoff — doch immerhin ein Stoff, der unter dem Mikroskop, in der Retorte geprüft, untersucht, analysiert, bestimmt werden kann . , . Liest man jedoch genauer, so findet man, daß „Blut66 den Zusammenhang der Geschlechter meint. Das unsterbliche Wesen Es tut nicht viel zur Sache, obwohl es gesagt werden muß, daß die Biologie nicht dem Blute, sondern einer anderen Substanz die Aufrechterhaltung des lebendigen Zusammenhanges zuschreibt. Wichtig ist, daß es ein unsterbliches Wesen nicht metaphorisch, sondern wörtlich gibt. Nach A. Weismann hat jede lebende Substanz einen Bestandteil, der unsterblich ist, das Keimplasma, welches der Erhaltung der Art, ihrer Fortpflanzung dient. Das Keimplasma kann wohl zerstört, vernichtet, ermordet werden — es stirbt nicht! Durch das Keimplasma bilden die Generationen ein Gan- 22

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