Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Idee und Organisation
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 20 (sequence 3)
- Language
- German
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Adolf Böhm schon nicht gering, sie wird noch bedeutend vergrößert dadurch, daß — in der Diaspora — der Zionist fast stets im Gegensatz zu seinem realen Leben und seinen nächsten Interessensphären Zionist sein muß, d. h. immer wieder die Spannkraft aufbringen muß, nicht nur wie jeder andere natürliche Mensch im Umkreis seiner unmittelbaren Lebenssphäre sein Ich zu bilden, zu betätigen und durchzusetzen, sondern darüber hinaus für das zu denken und zu arbeiten, was meist jenseits dieser Sphäre und in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit ihr steht. Und so weit es Tausende gibt, die all diesen Schwierigkeiten zutrotz, die stete Verbundenheit mit der Sache bewahren, werden gerade sie durch die tägliche Kleinarbeit, das Befassen mit den tausend praktischen Fragen des Zionismus zermürbt, und was noch bleibt an fernem Abglanz der Idee wird zerredet, zerschrieben, zerlesen, in unermüdlicher Betriebsamkeit, oder im inneren Parteikampf in den Staub gezogen. Und doch ist mit all dem noch nicht das schwerste Übel, an dem die zionistische Organisation krankt, bezeichnet. Dieses ist, daß notwendigerweise durch die politische Idee im Laufe der Jahre mühsamer politischer und praktischer Arbeit die rein geistige, die Renaissanceidee, aus der alles stammt, was der Zionismus an Positivem schuf, verdunkelt wurde. Dieser Gefahr muß immer wieder entgegengearbeitet werden. Um es mit einem physikalischen Bilde auszudrücken: Die motorische Kraft, welche allein im Zionismus — von dem man hoffentlich endlich einmal soviel begriffen haben wird, daß er keine „Rettungsaktion" für politisch oder ökonomisch bedrückte Juden ist — den Spannungsabfall, Energieverlust durch Reibung, die Transformation in andere Energiearten (politische, ökonomische) ersetzen und immer wieder ein neues starkes Kraftfeld bilden kann, ist einzig und allein in der Erneuerungsidee gegeben. Sie selbst erneuert sich von Zeit zu Zeit, sie wechselt die Gestalt; in ihrer letzten Form war sie das Chaluzideal. Wir leben gegenwärtig wieder in einer Zeit der allgemeinen Depression und infolgedessen ist auch die zionistische Organisation in ein Wellental hinabgeglitten. Es tut wieder not, den Blick auf die Leuchtfeuer des Geistes zu richten! Wie oft hat vielen von uns der Mann, den wir heute feiern, Martin Buber, dies Feuer entzündet! Wie oft hat er unserem Wollen mächtigen Anstoß gegeben durch sein Aufschürfen des tiefsten Gehaltes des Judentums, sein Auffinden verschütteter, aber noch lebendiger Quellen, seinen Blick für die besondere Form und die furchtbare Gewalt des Kampfes der Urelemente alles seelisch-geistigen Seins innerhalb der jüdischen Menschheit! Sein Bekenntnis: „Die Grundtendenzen 20