Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Idee und Organisation
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 21 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3101111-3101220-3101222-3110802--8234-3110888- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Biologie des Zionismus des Judentums sind die Elemente, ans denen immer wieder ein neues Weltenwort sich aufbaut", hat er sein Leben lang durch stets erneutes Ringen um die Erkenntnis und das Erfühlen jener Grundtendenzen immer tiefer zu bekräftigen gesucht. In diesem Bekenntnis ist angedeutet, was vielleicht der letzte geheime Grund der Stärke des zionistischen Ideals ist. „Ideal" ist aber vielleicht ganz unjüdisch ausgedrückt. Die Eigenart jüdischer Religiosität und Geistigkeit ist es ja nach Buber, daß der Jude keine fernen Ideale über den Wolken sieht und eine unendliche unüberbrückbare Entfernung zwischen ihnen und dem Irdischen fühlt, aus welcher Spannung ihn nur ein Gott erlösen kann, sondern daß umgekehrt der Mensch durch die Tat das Göttliche auf Erden zu erlösen wähnt. Daß nur durch „Verwirklichung" die Brücke geschlagen wird zwischen hier und dort. Dieser Anschauung gemäß hat Buber, der geistige Führer, immer wieder praktische Arbeit geleistet und damit selbst das Beispiel gegeben, wie das unermüdliche Ringen um die letzten Werte nicht unvereinbar ist mit der Kleinarbeit des Tages. Dies Beispiel mahnt uns daran, uns selbst mitten in dieser zermürbenden Arbeit wieder auf die ideellen Grundlagen unserer zionistischen Existenz zu besinnen. Wir werden dann mit Erstaunen sehen, daß Buber inzwischen wieder ein großes Stück weitergekommen ist. Ob wir ihm auf diesem jüngst zurückgelegten Wegstück folgen können oder nicht — wir feiern ihn heute als einen unserer Erleuchter und Erwecker! MARKUS REINER J3te Biologie &e£ Ziauiömusf [Nur ein Brief} Lieber Hans Kohn! Als Sie mich einluden, zu einem Buberheft des „Juden" beizutragen, war ich im Zweifel, ob ich imstande sein würde, dieser Einladung zu entsprechen. Wir sind alle hier so sehr in unserer unmittelbaren Arbeit verstrickt, daß wir es verlernen, sie unter einem größeren Aspekt zu betrachten. Unser Zionismus wirkt in uns und so wirkt auch Martin Buber in uns, aber er hat jene tieferen Bezirke der Seele bezogen, die sich nur durch Handlungen, aber nicht durch Worte erkennbar machen. — Die Kehrseite davon ist, daß man isoliert wird, das Bewußtsein eines größeren Zusammenhanges verliert. 21