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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 19

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Idee und Organisation
Date
1928-01-01
Page
19 (sequence 2)
Language
German
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Idee und Organisation gekünstelte Weise möglich, und auch das wenige, das nach Ahzug alles gewaltsam Konstruierten von solcher Theorie als haltbar übrigbleibt; die Notwendigkeit der Berufsumschichtung der Juden, ist zunächst noch gar nicht Zionismus, andererseits auch in keiner Weise aus der reinen Ökonomie abzuleiten, da nur politische Gründe (z. B. Ansiedlungsrayon im alten Rußland) verhinderten, daß die Juden auch in Osteuropa dieselbe Entwicklung durchmachten wie in Westeuropa. Insoweit ihre große Zahl in Anbetracht der dort relativ weniger entwickelten Wirtschaften ein Hindernis dafür ist, so kann man, wenn man rein ökonomisch denkt, die sichere Erwartung aussprechen, daß durch die Wirtschaftsentwicklung mit ihrer Tendenz zu raschem Fortschreiten im Laufe der Zeit auch eine größere Zahl von Juden in den ihnen nächstliegenden Berufen resorbiert werden wird* Der Zionismus ist aber auch, insoweit er politische Idee ist, eben Idee, d. h. eine vorgefaßte Konstruktion, die vielleicht aus der gegebenen Lage notwendig entstehen mußte, die aber durchaus nicht, wie sonst alle Politik, Ausdruck von irgendwelchen Machtverhältnissen ist, dies in positivem Sinn gemeint. Im negativen ist der Zionismus natürlich ein solcher Ausdruck, als der einer politischen Ohnmacht gegenüber politischem Drucke. Aber da er kein Ausdruck von positiv gegebenen oder notwendig entstehenden Machtverhältnissen ist, so können ebensowenig im politischen wie im ökonomischen Bereich zwingende Kräfte aufgezeigt werden, die ihn zur steten Aktion treiben und schließlich zum Siege führen müssen. Der Zionismus ist vielmehr im letzten Grund ein rein geistiges Phänomen, er ist eine Idee, ein Wille. (Diese Feststellung ist natürlich nichts weniger als neu, aber es wird immer wieder an ihre Richtigkeit vergessen.) Die Idee hat sich einen Körper geschaffen, die Organisation, und diese hat ein Eigenleben, von dem man erwartet und wünscht, daß es immer kräftiger und umfassender werde. Man vergleicht dabei die Organisation mit ähnlichen Gebilden, vergißt aber, daß andere politische Organisationen eben das sind, was die zionistische Organisation nicht ist: Instrumente von Parteien, die reale Interessen vertreten, daher sehr lebensstark und willenszäh sind und ihre natürlichen Wachstumsgesetze haben. Die zionistische Organisation ist stark oder schwach nach unberechenbaren Schwankungen in der Psyche der Zionisten, der mehr oder minder großen Anziehungskraft der Idee, ihrer wechselnden Anpassungsfähigkeit an die Tatsachen und ihrer Kraft zur Erneuerung. Die Gefahr der Erschlaffung der Organisation ist daher an sich 2* 19

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