Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Der junge Buber und der Herzlsche Zionismus
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 15 (sequence 11)
- Language
- German
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Der junge Buber und der Herzische Zionismus leben, daß ein Zion der Seele da sei, eine große stille Gemeinschaft reifer und tatbereiter Menschen". Von diesem Standpunkt aus kann Buber an Herzls Tätigkeit Kritik üben. Er verlangt „langsame, bescheidene" Arbeit, da die „wahrhafte Gewinnung des Landes nur auf dem Wege positiver Arbeit in Palästina geschehen kann", da keine andere Diplomatie nötig ist als „Verhandlungen mit der Türkei (an deren Stelle später die Araber treten) wegen Aufhebung der die Besiedlung hindernden" Beschränkungen. Sein Nationalismus stellte sich in den Rahmen einer allgemeinen europäischen Kulturbewegung ein. Schon 1900 grenzte er seine Auffassung des Nationalismus scharf ab: „Wir sehen die nationalen Gruppen sich um neue Fahnen scharen. Es ist nicht mehr der elementare Selbsterhaltungstrieb, der sie bewegt: nicht die äußere Abwehr feindlichen Völkeransturms ist der Grundzug dieser Erscheinung. Nicht der Besitzdrang und die territoriale Expansionskraft der Nationen will sich nun ausleben, sondern ihre individuelle Nuance. Es ist eine Selbstbesinnung der Völker-* seelen." Davon ist der Zionismus ein Teil. „Die Wiedergeburt des Judenvolkes ist nur ein Teilstrom der neuen Menschheits-Renaissance, sie ist die Form, in der sich die neue menschheitliche Kultur für unser Volk ankündigt." Dieser Nationalismus der Innerlichkeit ist beglückende Selb Stent deckung und Selbstbetätigung. „Neue Werte, neue Werke schaffen aus der Tiefe seiner uralten Eigenart heraus, die Denkmale seines Wesens schaffen, eine neue Gestaltung der Möglichkeiten vor die Augen der Unendlichkeit hinstellen. Erst aber sich durchringen zu seinem Wesen selbst! Sich entdecken! Sich finden! Sich erkämpfen!" So bedeutet Nationalismus Eindringen in unser tiefstes Menschentum. Wahrer Nationalismus und Menschentum schließen einander nicht aus, sie bedingen einander, sie fallen zusammen. „Ganz Jude und ganz Mensch" ist die Losung, „Mensch werden und es jüdisch werden" heißt es an einer anderen Steile. Darum rührt ihm „die Befreiung, die die national-jüdische Bewegung meint, an das große Symbol der Erlösung". Noch scheint ihm zu dieser Zeit unter dem Einfluß Berdyczewskis und der ihm folgenden Strömung in der neuhebräischen Literatur, vor allem Tschernichowskis, dessen Gedichte Buber übersetzt, der Zionismus auch Rückkehr zu ursprünglicher Vitalität, Bejahung der Sinnesfreude, Hellenisierung des Hebräers. Diese Revolte vollzieht sich nicht mehr wie vor achtzig Jahren bei Heine und seinen Zeitgenossen außerhalb des Rahmens der jüdischen Gemeinschaft, sie vollzieht sich in hebräischer Sprache 15