Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Der junge Buber und der Herzlsche Zionismus
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 14 (sequence 10)
- Language
- German
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Hans Kohn Herzl sah darin eine persönliche Stellungnahme gegen ihn. Seine Antwort auf Bubers Erklärungen bestand darin, daß er ihm riet, er solle „trachten, sich zur Bewegung zurückzufinden". Ein Abgrund des Mißverstehens klaffte, der nicht zu überbrücken war. Aber als Herzl kurze Zeit danach starb, fand gerade Buber die richtigen Worte, um seine Persönlichkeit und seine Stellung in der jüdischen Renaissancebewegung in ihrer vollen Bedeutung zu charakterisieren. Er hat die eigentümliche Größe Herzls nicht verkannt. Er hat ihm in unvergeßlichen Worten eine Ehrung erwiesen, die um so größer war, als sie aus voller Erkenntnis des Problematischen und Unzulänglichen in Herzls Persönlichkeit und von einem Manne stammte, den Herzl für seinen Gegner hielt. * In dem Kampfe um den Sinn des Nationalismus nahm Buber von Anfang an Stellung für jene Strömung, der der Wertakzent auf den sittlich-kulturellen Kräften des Volkes lag. Er hat später seine Stellung noch in entschiedenerer Reinheit und Klarheit herausgearbeitet, aber sie hat bereits seinem ersten Auftreten im Zionismus ihren Stempel aufgedrückt. Für den Denker des neun-» zehnten und zwanzigsten Jahrhunderts ist seine Stellung zu Nation und Staat und ihren Problemen ebenso entscheidend wie für einen Denker des Mittelalters oder der Reformation seine Stellung zur Religion. Für Buber ist die nationale Bewegung vor allem ein Kampf um innere Befreiung und Läuterung. Darin erweist er sich im Judentum als Fortsetzer Achad Haams. Schroff lehnt er das Ziel wirtschaftlicher oder machtpolitischer Besserstellung ab. „Nicht die Besserung der Lage der Juden, sondern die Erlösung der Nation ist der Inhalt unserer Idee. Der Zionismus ist keiner Einstellung gegen den Antisemitismus entsprungen, er ist keine Wehr-, Abwehr- oder Geltungsbewegung gegen äußere Gegner, sondern wir sind Zionisten, weil nur aus der Zusammenströmung des Volkes auf eigener Erde, aus der Erneuerung der geschichtlichen Kontinuität, aus der Kraft des palästinensischen Ackers ein gesunder Volksorganismus, ein in Trieb und in Werk regeneriertes Judentum, der gewandelte jüdische Geist auferstehen kann.44 Darum kann der Zionismus sich nicht auf staatlich-diplomatische Aktionen der Führer beschränken, er muß etwas sein, das in die Tätigkeit und das Leben jedes einzelnen eindringt, sie bestimmt, in ihnen konkrete Gestaltung gewinnt. Zionisten müssen ihren Zionismus „nicht bloß mit Worten, sondern mit ihrem ganzen Sein betätigen, ihr Leben als eine heilige Vorbereitung auf das Neue und Wunderbare, das da kommen soll, ansehen und es als eine solche Vorbereitung mit treuem Ernst und Entschlossenheit 14