Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Der junge Buber und der Herzlsche Zionismus
Date
1928-01-01
Page
13 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3101111-3101220-3101222-3110801--8224-3110880
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Der junge Buber und der Herzische Zionismus wichtigsten Essays und in einer Abhandlung Nathan Birnbaums den größten Denker der Zionsbewegung im Osten Europas, Achad Haam, in Mitteleuropa einführte. So erweiterte der Verlag die geistigen Grundlagen der zionistischen Bewegung und nahm in ihren Zusammenhang vieles auf, was außerhalb des engen Rahmens der Partei lag. Er schuf damit die jüdische Nationalbewegung in Mitteleuropa. Denn nie ist eine Nationalbewegung durch politische Pläne und diplomatische Aktionen entstanden. Diese waren das Ergebnis einer langen Entwicklung, an deren Beginn das Erwachen des nationalen Bewußtseins durch eine erzieherische Pflege der nationalen Kultur und Art eingesetzt hatte. An der Wiege aller nationalen Wiedergeburtsbestrebungen stehen literarische Leistungen und gelehrte Bemühungen, der Forscher und Wiederentdecker der Vergangenheit und der Dichter, der der Sammler und Mehrer der Sprache ist. Der erstere gibt dem Volke die Deutung seiner Vergangenheit mit dem Ausblick auf die Kräfte, die aus ihr eine neue Zukunft bauen werden, der letztere macht dem Volke Rede und Weise seines Alltags lieb und umgibt sie mit neuem Glanz. Eine Nationalbewegung, die, wie Herzl und Nordau es dachten, auf politischen Tatwillen und soziologische Bedürfnisse allein sich stützt, bleibt etwas Unlebendiges und Schematisches. Organisches Leben gewinnt sie erst durch die Verankerung im geistig-geschichtlichen Volksbewußtein. Dies war im Osten Europas geschehen. Dort war die Bewegung der Zionsfreunde eine Teilerscheinung eines umfassenden Prozesses, der seinen wichtigsten Ausdruck in der Umgestaltung der jiddischen Volkssprache zur Literatursprache und in der Wiederbelebung des Hebräischen fand. Der Drang nach Lebensgestaltung fand seinen natürlichen Ausweg in den Schöpfungen von Perez, Bialik, Tschernichowski und anderer Dichter und Erzähler. Dem Kreise des Jüdischen Verlags, insbesondere Buber und Feiwel, ist es zu danken, daß der Zionismus auch im deutschen Sprachgebiet mit dem Tode Herzls und mit der Enttäuschung über die Vergeblichkeit seiner diplomatischen Aktionen nicht nur nicht zusammenbrach, sondern nach 1910 einen geistigen Aufschwung nehmen konnte. Die Einstellung Bubers zur Partei und Bewegung brachte ihn noch einmal in einen schärferen Konflikt mit Herzl. Herzl hatte im Jahre 1902 seinen zionistischen Zukunftsroman „Alt Neuland4* veröffentlicht. Achad Haam hatte daraufhin die Grundlagen der Herzischen Auffassung einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Nordau erwiderte für seinen Freund Herzl durch einen scharfen und beleidigenden Angriff auf Achad Haam. Buber und einige Freunde protestierten gegen den Ton der Erwiderung Nordaus. 13

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.