Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Der junge Buber und der Herzlsche Zionismus
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 12 (sequence 8)
- Language
- German
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Hans Kohn langte ein Darlehen von zweitausend Mark. Die gegnerische Haltung Herzls und der Mehrheit des Kongresses verschon die Beratung dieser Anträge auf die letzte Sitzung des Kongresses. Buber als Referent des Kulturausschusses verlas die Anträge, denen Weizmann nur noch den auf Gründung einer jüdischen Hochschule hinzufügte (die er selbst beinahe ein Vierteljahrhundert später als hebräische Universität in Jerusalem eröffnen sollte). Als aber auch jetzt die Anträge des Kulturausschusses nicht abgestimmt werden sollten, ging die Fraktion in offene Opposition. Feiwel verlas eine Erklärung von 37 Delegierten, worin er gegen die Führung des Präsidiums protestierte. Die Fraktion verließ den Saal. Als in der letzten Stunde des Kongresses die Abstimmung erfolgte, wurde die finanzielle Hilfe an den Jüdischen Verlag, abgelehnt. Der Kongress bedeutete die Trennung Bubers und seiner Freunde von Herzl. Buber legte die Redaktion der „Welt" nieder. Er widmete sich von nun an ausschließlich der in seinem Kongreßreferate vorgezeichneten Arbeit. Im Jahre 1902 begründeten Feiwel, E. M. Lilien, Davis Trietsch und er den „Jüdischen Verlag". Im Herbst erschien der „Jüdische Almanach". In Feiwels Vorwort hieß es: „Ein Stück jüdischer Kulturarbeit wollten wir leisten und mehr noch vermitteln helfen, da wir eine Zentralstelle zur Förderung jüdischer Literatur, Kunst und Wissenschaft ins Leben gerufen haben. Neben dem jüdisch-sittlichen Ideal, das dem jüdischen Menschen wieder Einheit und Festigkeit, nationales und persönliches Selbstbewußtsein gibt, soll das jüdisch-ästhetische aufgerichtet werden. In die neue jüdische Lebensanschauung soll etwas Tief innerliches, Seelenvolles einströmen, eine neue Macht, eine neue Schönheit." Das „lebendige, schaffende, ringende, sich befreiende Judentum" sollte gezeigt, eine seelische Einheit zwischen den Juden des Westens und den Massen des Ostens hergestellt werden. Dieser ersten Kundgebung des neuen Verlages folgten bald andere. Martin Buber gab einen schönen Sammelband „Jüdische Künstler" heraus, der sechs Monographien über Josef Israels, Max Liebermann, Solomon J. Solomon, Lesser Ury, E. M. Lilien und Jehudo Epstein vereinigte. In seiner Einleitung versuchte Buber, der selbst den Beitrag über Lesser Ury schrieb, zum erstenmal eine psychologischstrukturelle Erfassung des jüdischen Menschen zu geben. Aber das Interesse Bubers und Feiwels galt vor allem der Dichtkunst. Feiwel sammelte die neuen Stimmen in den „Jungen Harfen". Bedeutsamer noch wurde der Umstand, daß der neue Verlag in Profes« sor Schechters Darstellung der weiteren Öffentlichkeit in deutscher Sprache eine erste verständnisvolle Darstellung des Chassidismus gab und daß er in einer deutschen Übersetzung seiner 12