Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Der junge Buber und der Herzlsche Zionismus
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 11 (sequence 7)
- Language
- German
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Der junge Buber und der Herzische Zionismus ter Buber bei Herausarbeitung seiner Unterscheidung von Führer und Lehrer behilflich —, aber er war geistig Schriftsteller des Bürgertums des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts und hat sich über eine geläufige Mittelmäßigkeit nie erhoben. Die seelische Erschütterung, die ihm im Jahre 1896 den Entwurf seines „Judenstaates" gebracht hatte, in Entstehung und Art ein künstlerisches Erlebnis, sein einziges großes künstlerisches Erlebnis, das ihn dann trieb, es in Hingabe und Leidenschaft in Wirklichkeit umzusetzen, hatte seinen geistigen Horizont nicht erweitert. Der Zionismus war ihm eine Maschine zur Verwirklichung seines Planes, ein Instrument in seiner Hand, über dessen ausschließliche Führung er eifervoll und selbstherrlich wachte. Durch diese Gleichsetzung des Zionismus mit seiner Person mußte ihm der wahre Hintergrund der Bewegung verdeckt werden: sowohl ihre Einstellung in die jüdische Geschichte, wie ihr Zusammenhang mit allgemeinen Zeitbewegungen. In seinem künstlerischen Erlebnis befangen, kam er nie zu einer Erkenntnis des Judentums. Es blieb ihm fremd. Der damals Vierzigjährige hatte die Elastizität und Spannkraft des Staatsmannes. Er hatte aber nicht das Vermögen, über seinen persönlichen Kreis hinaus in geistige Zusammenhänge einzutreten. So mußte es notwendigerweise zwischen ihm und den um fünfzehn bis zwanzig Jahre Jüngeren in der Bewegung zu einem Konflikt kommen. Für Herzl war der Zionismus sein eigenes Werk, war das Volk fremd, das zufällige Material seines politisch-künstlerischen Traumes, Palästina der zufällige Ort, die jüdische Kultur und Art eine im Grunde unwesentliche Beigabe. Für Buber und seine Gefährten war der Zionismus Teil einer jüdischen Bewegung, „die alles umfaßt, was sich an bewußt Jüdischem aus dem Dunkel zum Lichte, zur Freiheit, zum Schaffen bewegt", und diese jüdische Bewegung war «-„kein Ding von gestern und ehegestern und kein Werk einzelner Menschen, sondern das urtümlichste Lebensphänomen der jüdischen Nation". Der Konflikt der beiden Auffassungen des Wesens der Bewegung kam nach einer halbjährigen Tätigkeit Bubers als Redakteur der „Welt" auf dem fünften Zionistischen Kongreß zum Durchbruch. Buber und seine Freunde konstituierten sich dort als die kulturell-demokratische Fraktion. An ihrer Spitze standen Chaim Weizmann, damals Privatdozent in Genf, Davis Trietsch, Berthold Feiwel, ihr Sprecher war Buber vor allem in seinem großen Referat über jüdische Kunst. Das Referat schildert die jüdische Kunst als den „großen Erzieher" zu vollem Leben und zu wahrem Judentum. Zum Schluß beantragte Buber die finanzielle und moralische Unterstützung der geplanten Gründung des „Jüdischen Verlags" durch die Organisation. Er ver- 11