Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Der junge Buber und der Herzlsche Zionismus
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 8 (sequence 4)
- Language
- German
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Hans Kohn Zaddikim und deren Ahnen und Lehrer fort. So bietet Galizien das Bild des Zusammentreffens der zwei Strömungen des Judentums des neunzehnten Jahrhunderts, ohne daß sie hier zu einer Synthese oder gar zu einer Erneuerung erhoben worden wären. Das blieb dem Werke Bubers vorbehalten, der in Galizien heranwuchs. Für Buber wie für viele andere seiner und der folgenden Generation wurde der Zionismus zur verwandelnden Kraft. Er wurde dem suchenden und schweifenden Jüngling der Halt, der ihn zugleich zu seinem Ursprung zurückführte. Er ließ ihn mit der auflösenden Assimilation brechen, die ihn in Wien bedroht und aus ihm einen der mit aller Welt verbundenen und doch in keiner Heimat verwurzelten, vielgestaltigen und doch einsam-tragischen Literaten zu machen gedroht hatte. Zunächst galt auch im Zionismus Bubers Interesse vor allem der Kunst, in der er die entscheidende Sphäre des schöpferischen Menschen erblickte, neben der die Religion nur eine andere Sphäre oder Ebene des menschlichen Erlebens und Bildens war. Doch hatte er damals, unter Nietzsches Einfluß, das Wesentliche der Kultur als einer allseitig zu lebenden und zu betätigenden Wirklichkeit erfaßt und diese sein inneres und äußeres Leben formende Erkenntnis, die von da an in stetem Aufstieg zu immer gefährlicheren und umfassenderen Stufen der Wirklichkeit durch sein ganzes Werk wachsen sollte, hat ihn noch in seiner Jugend zu einer tieferen und verpflichtenderen Auffassung des Zionismus und seines Bekenntnisses zum jüdischen Volke geführt. „Daß mich der Zionismus erfaßte und dem Judentum neu angelobte, war nur der erste Schritt. Das nationale Bekenntnis allein verwandelt den jüdischen Menschen nicht; er kann mit ihm ebenso seelenarm, wenn auch wohl nicht ebenso haltlos sein wie ohne es. Wem es aber nicht ein Genügen, sondern ein Aufschwung, nicht eine Einfahrt in den Hafen, sondern die Ausfahrt aufs offene Meer ist, den vermag es wohl der Verwandlung zuzuführen. So ist es mir ergangen." * In Berliner ostjüdischen Studentenkreisen der Jahre um 1900 war der Einfluß Micha Josef Berdyczewskis, des ersten Verkünders Nietzsches in der hebräischen Literatur, groß. Der Kreis dieser Studenten, die „Zeirim" oder Jungen, wie sie sich nannten, gab damals in Warschau in kleinen dünnen Heften die erregenden Schriften ihres fünfunddreißig jähr igen Führers heraus. Sie waren eine Kampfansage an alles, was durch dritthalb Jahrtausende die Grundlage des Judentums gebildet hatte. Berdyczewski, Sohn eines Rabbiners in einer podolischen Kleinstadt und Schüler der be- 8