Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Der junge Buber und der Herzlsche Zionismus
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 9 (sequence 5)
- Language
- German
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Der junge Buber und der Herzische Zionismus rühmtesten Talmudakademie des litauischen Judentums, der ¥oloshiner Jeschiwa, die im Geiste des Gaon Elia von Wilna von seinem Schüler zum Kampfe gegen den Chassidismus gegründet und im Sinne der strengsten Orthodoxie geleitet war, verurteilte Prophetismus und Rabhinismus als Totengräber des Judentums und pries die Männer des Schwerts und der weltlichen Herrschaft in Israel, die „sündigen" Könige, die zelotischen Freiheitskämpfer, alle, die den Führern und Helden der anderen Völker glichen. Der Nietzscheaner Berdyczewski hatte Nietzsche in jener Art einseitig aufgefaßt, wie ihn populäre Meinung oft verstanden hat: als Verkünder des Machtgedankens und der blonden Bestie, des in Schönheit und ungebundener Willkür triumphierenden Übermenschen. Der Kreis der „Jungen" um Berdyczewski hatte die Losung der Kunst und der Lebensfreude ins nationale Judentum getragen. Damals begann in Osteuropa in der hebräischen und jiddischen Sprache und ebenso im Westen unter dem Einfluß des Zionismus eine reiche Literatur zu entstehen. Mit offenem Verlangen nahmen die österreichischen und deutschen jüdischen Studenten im Verkehr mit ihren ostjüdischen Kameraden die ungeahnte Fülle in sich auf. Es war unter den von Berdyczewski ausgegangenen Anregungen, nicht aber unter dem Einfluß seiner Lehre, daß Buber damals in der Kunst und künstlerischen Ausdrucksgestaltung das wichtigste Kennzeichen der jüdischen Renaissance erblickte. Er nahm mit einigen, wenige Jahre älteren Freunden, unter denen vor allem Berthold Feiwel und E. M. Lilien zu nennen sind, führenden Anteil an der kulturellen Entfaltung der im Westen noch jungen jüdischen Bewegung. Jüdische Dichtung und Bühne, Kunst und Musik sollten in das Leben der Juden eindringen und es jüdischer und schöner zugleich gestalten. Heute erscheint uns die jüdische Kunst, die damals Zeitschriften und Vortragssäle füllte, selten vollwertig, ihre Propagierung überholt. Für die damalige Zeit war aber die Tätigkeit Feiwels, Bubers und ihres Kreises nicht nur eine künstlerische Tat, sie war mehr: diese junge Generation der damals Zwanzig- und Fünfundzwanzig jährigen hat dem Zionismus ein neues, ihr Antlitz aufgeprägt, hat ihn auf eine neue Stufe gehoben, hat ihn zu einer kulturellen Bewegung auch im Westen gemacht. Sie hat den Gegensatz zwischen Ost- und Westjuden zu verringern und sie einander anzunähern gesucht. Durch ihr Bemühen wurde Kultur und Lebensart der Ostjuden dem Westen zuerst zugänglich und den jungen Westjuden gezeigt, daß auch im jüdischen Volke Raum für kulturelle Bestrebungen und Leistungen ist. Der Zionismus, bis dahin philanthropisches Mitleid mit verfolgten Ostjuden oder stolze Selbstbejahung dem Antisemitismus gegenüber, wurde jetzt 9