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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 73

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Dostojewski und das Judentum
Date
1925-01-01
Page
73 (sequence 8)
Language
German
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Dostojewski und da* Judentum in der Kirche, „und siehe da! es trat in die Mitte des Tempels ein Jüngling mit einem großen Buche, so groß, daß er es kaum zu tragen vermochte, und er legte es auf das Kirchenpult und schlug es auf und begann vorzulesen" . . . ,Und es war ein Mann im Lande Uz4, gut, fromm und reich . . . Da kommt einmal der Satan, von seinen langen Wanderungen heimgekehrt, zu Gott zurück und der Herr preist vor dem Satan seinen Gerechten, Hiob, der sein Stolz ist Da fährt der Satan auf: ,Liefere ihn nur in meine Hamide aus und ich will dir beweisen, wie dein Knecht Hiob sich gegen dich auflehnen, ja deinen Namen verfluchen wird*. Und Gott überantwortet Hiob dem Satan, und wie vom Blitze getroffen, schwindet alle Herrlichkeit und Größe des Gerechten dahin. Was tut aber Hiob? Er zerreißt den Saum seines Gewandes, wirft sich zu Boden und schreit laut auf: ,Nackt bin ich von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahin fahren. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen; der Name des Herrn sei gelobt*. — „Väter und Meister," so ruft nun der Starez aus, „vergebt mir meine jetzigen Tränen, denn meine ganze Kindheit ersteht gleichsam erneut vor mir und ich atme jetzt, wie ich damals mit meiner achtjährigen kindlichen Brust geatmet habe und empfinde wie damals Staunen und Verwirrung, und Freude" . . . Des weiteren ergeht sich der Starez im selben Kapitel, das den Titel: „Die Heilige Schrift im Leben des Vaters Sossima" trägt, in Betrachtungen darüber, wie unausschöpfbar die Schätze sind, die aus „diesem Buche" dem ganzen russischen Volke vermittelt werden könnten. „Möge der Priester es aufschlagen und dem Volke daraus in aller Schlichtheit und Einfältigkeit, ohne jede Überhebung vortragen . . . Keine Sorge! Sie werden alles verstehen, das russische Herz wird alles erfassen! Er lese ihnen über Abraham und Sarah vor, über Isaak und Rebekka, darüber, wie Jakob zu Laban gewandert ist und wie er im Traum mit Gott rang" . . . „Er lese vor allen Dingen den Kindlein vor, wie die Brüder ihren leiblichen Bruder, den lieblichen Jüngling Josef, in die Sklaverei verkauft haben" ... In diesem von tiefster Bewegtheit zeugenden Tone geht der Starez fast die ganze Bibel durch, um sich dann noch einmal mit den Worten zu unterbrechen: „Väter und Meister, verzeiht mir und nehmt es nicht für ungut, daß ich von alldem gleich einem unmündigen Kinde lalle . . . Rede ich doch so vor lauter Entzücken ... so lieb habe ich dieses Buch!" Es ist „gleichsam ein Ebenbild des Weltalls und der Menschen und der menschlichen Charaktere, und alles ist darin mit Namen genannt und für immerdar vor gezeichnet". Wenn sich bis vor kurzem noch ein Zweifel darüber regen konnte, ob wir es hier in der Tat mit einem unmittelbaren Bekenntnis von 73

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