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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 65

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Das jüdische Gesetz
Date
1925-01-01
Page
65 (sequence 8)
Language
German
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Das jüdische Gesetz nen, kräftigen Kinder anscheinend degenerierter Eltern staunen, so stehen wir bewundernd Vor der Lebenskraft und der Verjüngung unseres uralten Gebotes. Die heute im kräftigen Alter stehende jüdische Generation ist in einer Zeit groß geworden, die den inneren Wert unserer Überlieferung verkannt hat. Sie ist zum großen Teil von ihren Eltern am Freitagabend nicht mehr gesegnet worden. Aber ihre Kinder verlangen wieder diesen Segen, die Eltern lernen ihn von den Kindern und geben diesen, was sie selber vor vierzig Jahren von Vater und Mutter nicht mehr oder noch nicht empfangen hatten. „Meine Kinder lassen mich nicht mehr fort", sagte kürzlich, im Innersten darüber beglückt, ein jüdischer Mann, der bisher am Freitagabend meist auf Geschäftsreisen abwesend war, und dem nun seine Kinder das nicht mehr gestatteten, nachdem er einmal den Sabbat mit ihnen gefeiert hatte. Unser religiöses Leben braucht allerdings bedeutende Persönlichkeiten, dann aber blüht das alte Judentum erneut, verjüngt und erfrischt wieder auf. Es sei nur an die lebendige Wirksamkeit von Männern vom Schlage des vor fünf Jahren verstorbenen Frankfurter Rabbiners N. A. Nobel erinnert, an die Verkünder jüdischer Botschaft, die dieser Unvergeßliche in der kurzen Zeit seines gesegneten Lebens in Kreisen, die anscheinend dem Judentum hoffnungslos verloren waren, erweckt hat. Wir sind nicht blind für die Zeichen des Todes in unserer Mitte, und sehen wohl, was auch in unserem religiösen Leben abstirbt. Aber auch die christlichen Bekenntnisse haben ihre schweren Lebensnöte, und das Bild, das Schmitz von ihnen entwirft, kann uns nicht verlocken. Nennt er doch speziell den evangelischen Glauben tot und nur überlebt von der „deutschen Protesteinstellung", erzählt er uns doch von den „ungläubigen Ariern", die dennoch ihre Kinder taufen lassen. Wir haben mit dieser gewiß nicht imponierenden Haltung nicht zu rechten. Sie leiten damit ihre Kinder immerhin zu dem Glauben, der der Glaube ihrer Väter war und in dem sie selber erzogen worden sind. Was aber könnte den Juden veranlassen, seine Kinder zu einer Religion zu führen, die weder er noch seine Väter jemals bekannt haben? Und was könnte ihm selbst an innerem Wachstum die Taufe bringen? Von einem hervorragenden Manne, der sie empfangen hatte, von Georg Jellinek, bekundete Max Weber, aus seiner Herkunft und aus den Traditionen seiner Familie habe er jene eigenartige souveräne Stellung der Seele zur Welt empfangen, die man wohl „Lebensweisheit* im Sinne des antiken Orients nennen dürfe, aus dieser Quelle habe sich das Beste von ihm gespeist. Der Jude, der seinen jüdischen Ursprung aufgibt, gibt das Beste seines Wesens preis, aber nachdem er ihn verlassen hat, bleibt er immer noch gesegnet durch diesen Quell, dem er entströmte. Wer zur Thora auf- 5 Der Jude, Sonderheft 65

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