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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 64

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Das jüdische Gesetz
Date
1925-01-01
Page
64 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Max Eschelbacher und ihnen eine ähnliche Opferfreudigkeit als wahres Christentum gepredigt. Ernste Christen weisen auf den blauen Montag hin, der dem Sonntag wie sein Schatten folgt, und beklagen es, daß die Kirche den Sonntag nicht nach dem Vorbilde des jüdischen Sabbats ausgestaltet habe. Alternde christliche Mädchen sprechen mit einem bitteren Neid von dem besseren Lose ihrer jüdischen Freundinnen. Sie klagen, daß man es in christlichen Kreisen ruhig mit ansehe, wie ein Mädchen unverheiratet bleibe, während im Judentum unter dem Antrieb religiöser, im täglichen Gebet eingeschärfter Motive die ganze weitere Familie und auch Fernstehende sich nach Kräften anstrengen, ein alleinstehendes Mädchen zu verheiraten. „Wenn wir doch auch die Mikweh hätten!" rief händeringend ein Ordensgeistlicher, als er die Eheverhältnisse in weiten Kreisen des christlichen Volkes geschildert und ich ihm darauf erzählt hatte, welch einen Schutz für die Würde des Weibes in der Ehe unsere Ehegesetze bedeuten. Ich würde von diesen Tatsachen, denen viele ähnliche an die Seite gestellt werden könnten, schweigen. Aber ich muß doch davon sprechen, nachdem Schmitz die Behauptung gewagt hat, die Teilhaberschaft an einer geheimnisvollen Gnade sei es, was die Juden den Christen neideten! Noch keinem Juden ist je ein solcher Gedanke gekommen. In Gottes Gnade fühlen auch wir uns geborgen. Jeden Abschnitt unseres Lebens begrüßen wir mit dem Dank gegen Gott, „der uns am Leben erhalten, der uns aufrecht erhalten, und der uns hierher geführt hat". Der christliche Deutsche lebt freilich in weniger komplizierten Lebensverhältnissen als wir. Die schweren Sonderprobleme, die infolge der eigentümlichen Lage des Judentums unser tägliches Brot sind, sind ihm meist fremd. Er ist durch Beruf und Wohnort der Natur meist näher als wir und deshalb harmloser. Das empfinden wir wohl, und darum mögen wir ihn auch glücklich preisen. Neid liegt uns ferne, am fernsten Neid auf eine Gnade, die auch uns geworden ist. Unser historisches Schicksal ist anders als das seine, aber wir bekennen uns zu ihm, und auch unsere Art ist gesegnet. Wir grüßen Menschen, die wir als die besten Vertreter christlicher Art empfinden, mit Freude und innerster Sympathie, obwohl wir genau wissen, daß nicht leicht ein Jude so sein könnte. Zu der „preußischen Herrenkaste" mögen wir politisch im schärfsten Gegensatz stehen. Daß wir menschlich ihre geborenen Gegner wären, wie Schmitz behauptet, trifft einfach nicht zu. Wir kennen aber auch umgekehrt Juden, in denen wir die Vollendung unserer eigenen Art ehren, und in deren Gegenwart wir ein dankbares inneres Glück empfinden, weil so wie sie wohl nur ein Jude sein kann. Das Judentum ist nicht jung, aber wunderbar ist leiblich wie geistig-religiös seine Kraft der Erneuerung. Wie wir über die schö- 64

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