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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 60

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Das jüdische Gesetz
Date
1925-01-01
Page
60 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Max Eichelbacher zeigen und im Unglück sich mit der Zuversicht trösten, daß auch dies zum Guten sei, darf über das Judentum urteilen. Er wird dann allerdings dem christlichen Erlebnis das jüdische als ein anderes* nicht aber als ein geringwertiges entgegenhalten, als einen eigenen Wert, gewiß aber nicht als ein Surrogat, „das das christliche Erlebnis ersetzen kann". Von alledem ist bei Schmitz nicht die Rede, ja es liegt offenbar völlig außerhalb seines Gesichtskreises. Er konstatiert zwar, ein erfülltes Judentum werde immer imponieren, er findet eine solche Erfüllung in einem weitherzig verstandenen Zionismus ohne Zion, er deutet an, daß mit Disraeli auch er Christentum als erfülltes Judentum ansehe. Aber der Gedanke, daß die ein-i fache Treue zu dem überlieferten jüdischen Gebote und die Durchdringung des ganzen Lebens mit ihm erfülltes Judentum sein könne, kommt ihm überhaupt nicht. Er sieht in diesem Gehorsam des Juden nur „Erstarrung auf einer früheren Heilsstufe". Statt dessen verkündet er als Judentum Erscheinungen, die mit ihm nichts zu tun haben, den Liberalismus, den Bolschewismus, und als „die letzte, machtigste Phase des Judentums" nennt er allen Ernstes den Marxismus! Der Marxismus ist eine Wissenschaft und hat mit dem Judentum höchstens insofern zu tun, als nach der Meinung mancher seiner Kritiker vielleicht der jüdische Messianismus bei Marx wenigstens im Unterbewußtsein mitgewirkt haben könnte. Zudem ist er von einem Manne geschaffen, den sein Vater frühzeitig zum Christentum geführt hat, nach Schmitz ohne seelischen Erfolg. Wir haben uns hier weder mit Schmitzens falscher und ungerechter Beurteilung von Karl Marx noch mit seinem Urteil über seine Lehre näher auseinanderzusetzen. Doch möchten wir ihm ein anderes Urteil wenigstens gegenüberstellen: „Die materialistische Geschichtsauffassungist ein logischer Fehler; aber es gibt nichts Verkehrteres, als einen ethischen Fehler daraus zu machen". So urteilt der große Jude und Deutsche Hermann Cohen, der Karl Marx einen Boten des Gottes der Geschichte nannte. 2. Nicht vom Liberalismus, vom Marxismus, vom Bolschewismus soll hier die Rede sein, nicht vom Typ des Gentleman und seinem Gegensatz zur preußischen Herrenkaste, nicht von den tausend anderen Dingen, die Schmitz nebenbei berührt, sondern von jüdischer Religion in ihrem Verhältnis zur christlichen. Was ist Eigenart und Charakter der jüdischen Religion? Dibelius sieht in diesen Blättern den Unterschied in dem Gegensatz von Gnade und Gesetz. Das Christentum repräsentiere darnach die Idee der Gnade, das Judentum das des Gesetzes. Ganz richtig ist dieser Gegensatz 60

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