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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 49

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Christentum und Judentum
Date
1925-01-01
Page
49 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Christentum und Judentum sehende zweite Mosaismus bringen mußte. Deshalb war in der Bergpredigt sein Refrain: „Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist, ich aber sage euch". In der urchristlichen Urgemeinde waren wenig Pharisäer, aber es waren dort alle die Israeliten, „die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten'Und das jüdische Urchristentum hat eine ungeheure Segenskraft entfaltet, auch für die aus dem Heidentum kommende Urchristenheit. Verständnisvolle Christen werden niemals danach streben, Juden zu taufen um jeden Preis. Judenmission im Sinne der Assimilation ist ein öffentlicher Unfug. Man wird im einzelnen Falle einen Juden zur Taufe zulassen, wenn sie in innerster Überzeugung begehrt wird. Inhaltlose Judentaufen sind dem frommen Christen und dem frommen Juden in gleicher Weise verächtlich. Aber das Christentum hat eine internationale, alle Volksunterschiede überbrückende Kraft, wie das Judentum in vorchristlicher Zeit mit seiner Messiaserwartung und mit seiner Aufgabe, das Gewissen der Völker zu sein, nach dem Abrahamssegen: „in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden", einmal eine solche internationale Kraft und Aufgabe gehabt hat. Das geschichtliche Israel war der Ölbaum. Jetzt ist nur noch die Wurzel israelitisch, das christlich gewordene Judenvolk der urchristlichen Zeit und die christlich gewordenen Heidenvölker bildeten nach der Erscheinung Christi die Zweige. Wenn jetzt die Judenheit sich christisch umgestalten würde, würde sie einen neuen eigenartigen Zweig bilden am Ölbaum der weltumfassenden wahren Kirche Christi. Das Haupthindernis für die Juden, das: „Christus ist unser Friede" anzunehmen, hat bereits Paulus genannt, der als Gamaliel- Schüler streng im Gesetz erzogen war und den der einzig berechtigte Missionar, der erhöhte und lebendige Christus, vor den Toren von Damaskus gewonnen hat: „Der Logos vom Kreuz ist den Juden ein Skandalon". Wenn dieser Anstoß nicht wäre, so hätte das Judentum längst den Anschluß an das Christentum gefunden, das dann freilich kein Christentum mehr wäre. Der Anstoß scheint deshalb unüberwindlich zu sein, weil die Judenheit, im Widerspruch zu den eigenen Propheten, das Verlangen verloren hat: „Laßt euch versöhnen mit Gott". Es ist schön, daß der fromme Jude weiß — und oft besser als Millionen Namenchristen —, daß der Mensch göttlichen Ursprungs ist und daß göttliche Heimat sein Ziel ist. Aber er hält das für einen ursprünglichen Zustand. Er meint: ^Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde", habe seine natürliche Verwirklichung im gesetzestreuen, jüdischen Menschen. Aber das ist ganz unjüdisch im Sinne der Schöpfungsgeschichte und im Sinne der israelitischen Propheten. In diesem ursprünglichen Sinne bedeutet die Gottebenbild- 4 Der Jude, Sonderheft 49

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