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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 48

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Christentum und Judentum
Date
1925-01-01
Page
48 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Alfred Jeremias „einleuchtet", nicht über Judentum und Christentum, sondern über „Gott und die Welt und mich selbst". Ich muß gestehen, daß mich das an die ironischen Verse erinnert, die Heinrich Heine in der ersten Assimilationszeit über die Berliner Teekränzchen dichtete: „Die Gott und Welt und was sie selbst bedeuten Begriffen gleich mit Hegelschem Verstand". Was bei dieser „Einleuchtung44 herauskommt, ist im besten Falle Philosophie, himmelweit entfernt von ihrer ewigen Mutter, "der Theologie, und von der schauenden Erleuchtung, die mit wahrer Religion immer verbunden sein muß. Was wahres Christentum ist, wissen wir. Es ruht auf der Botschaft vom Heiland, dem Christus-Messias, als der Jesus, der Davidssohn, von Gott selbst erwiesen worden ist; denn der „Gott des Friedens hat den Toten erweckt, den großen Hirten der Schafe, durch das Blut des ewigen Testaments44, wie ein apostolischer Mann vqr neunzehnhundert Jahren im „Briefe an die Hebräer44 geschrieben hat. Daß dieser Christus „unser Friede44 ist, kann man nur durch Erfahrung erleben. Aber wenn man es erlebt hat, weiß man, daß er der Friede ist für alle Welt, also auch für die Juden. Paulus pflegte zu sagen: „Den Juden vornehmlich und auch den Heiden44. Kein frommer Jude darf wünschen, daß die christliche Kirche etwa im Interesse einer versöhnenden Annäherung diese Grundlage des vollen, ungetrennten Evangeliums verläßt. Das Christentum würde dann nichts anderes mehr sein als ein ethisches Kulturprinzip. Und ob ein solches Kulturprinzip ausreichen würde, in dem kulturseligen Europa Judenhaß und Judenverfolgung in Bann zu halten, wage ich stark zu bezweifeln. Umgekehrt würde die Judenheit ungeheuer an geistiger Kraft gewinnen, wenn sie die Botschaft „Christus ist auch unser Friede4' aufnehmen würde. Eine christlich gewordene Judenheit würde die Kraft gewinnen, dem Judenhaß das Wasser abzugraben. Was aber wahres Judentum ist, ist allerdings schwer zu sagen. Wir Christen sagen: Das prophetische Israel ist das wahre Judentum. Von hier geht der Strom direkt in das Urchristentum. Jesus wählte zu Jüngern „Israeliten, in denen kein Falsch ist44, das heißt in seinem Sinne: deren Gerechtigkeit besser war als die der Pharisäer und Schriftgelehrten, die sich anschickten, in einer neuen Gesetzeslehre den „Zaun um den Zaun des Gesetzes4' zu machen, hinter dem die Messiaserwartung erstarb. Der erwachende Talmudgeist war der gleiche Geist, den Jesus verworfen hat. Und die Verwerfung Jesu stammte aus den gleichen Instinkten, die Jesus zu der Klage veranlaß te: „Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind4'. Jesus sah die Gefahr, die der seit Esra herr- 48

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