Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
- Article
- Christentum und Judentum
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3101111-3101214-3101219-3110686--8150-3110749- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Alfred Jeremias in der der hellenistische Gnostizismus seinen Siegeszug hielt und im Begriffe war, eine hellenistische Heidenkirche mit Sonnenreligion und Astralkult zu schaffen. Das abendländische Christentum hat nach schweren Kämpfen den Gnostizismus besiegt. Das Judentum und zugleich mit ihm das Jud^nchristentum hat während des Kampfes aus Kreisen des heidnischen Gnostizismus den ersten auf Religionshaß gegründeten Antisemitismus erfahren. Man klagte den Judengott an, er sei der eigentliche Teufel, denn er sei mit seinem Gesetz und seiner Gerechtigkeitsforderung die Ursache der die Menschen quälenden Sünde geworden. Ein Führer dieser Richtung, Simon Magus, hat zu den Zeiten Jesu und seiner Apostel sein Wesen auch in Samarien, also in unmittelbarer Nähe Jerusalems, getrieben. Spuren davon finden sich im achten Kapitel der Apostelgeschichte. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Juden mit ihrer Entgegnung auf den scharfen Angriff Jesu gegen den Pharisäismus („Ihr sagt, Abraham sei euer Vater, nein, der Teufel ist euer Vater"): „Haben wir nicht gesagt, er ist ein Samaritaner", sagen wollten: Er scheint ein samaritanischer Simon-Anhänger zu sein. Woher kam dieser Haß der Gnostiker? Vom Standpunkt der heidnischen Gnosis mußte der Schöpfer dieser sichtbaren, in die Materie versunkenen Welt als ein verhältnismäßig niederer Logos und Äonenherr erscheinen, himmelweit entfernt vom Urgrund der Dinge, von dem die Lebenswoge der Logoi in Äonen ausgeht. Jedes Volk aber hatte seinen speziellen „Völkerenger4. Die Wirkungen des göttlichen Geistwesens, in dem man den göttlichen Herrn des Judenvolkes erblickte, sah man vom Saturn ausgehend, den auch jüdischer astrologischer Aberglaube als den „Judenstern" verehrte. Die Gnosis verstand nichts von der Sicherheit, mit der die Religion Israels von Gott als dem lebendigen, persönlichen Urgrund und „Schöpfer des Himmels und der Erde" sprach, der liebend die Welt auf das höchste Ziel der Erlösung hin durchwaltet, und der „seine Wege Mose wissen ließ, die Kinder Israel sein Tun". Sie sah den jüdischen Schöpfer mit ihrer Brille. Und man haßte die jüdische Religion, die ihren speziellen Schöpfergott, der zugleich ein heiliges Gesetz der Gerechtigkeit der Welt vorschrieb, zum Weltenherrn machen wollte. Schlimmer wurde das noch, als die Gnosis christliche Kreise ergriff. Für die Markioniten z. B. wurde auf der gleichen geistigen Linie das ganze Alte Testament ein Teufelsbuch. Vom Neuen Testament ließen sie merkwürdigerweise den Paulus gelten, obwohl er, wie kaum ein anderer der Apostel, aus jüdischer Wurzel stammte und in seinem Briefe an die Römer, Kap. 9—11, dem jüdischen Volke die eminenteste Segensentfaltung am Ende der Weltentwicklung zusprach. In der gnostischen Weltkirche der Manichäer hat dann der Haß auf Jesus selbst um üa