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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 26

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Gibt es ein jüdisch-christliches Problem?
Date
1925-01-01
Page
26 (sequence 4)
Language
German
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Paul Adler sitz und die amtlichen Unterschlagungen der weltlichen wie geistlichen Großen, von denen die gegenwärtigen Besitzrechte der Germanen noch großenteils abstammen, nicht anders als in der Antike unser Besitz am Kananiterland. Seither sind Verkehr, Wirtschaft oder Bewirtung zwischen ijude und Christ auf diesem Boden allgemein, gegenseitig und, nach einem allmächtigen soziologischen Gesetz, durchgängig entgeltlich geworden. Auf diesem ererbten europäischen Boden, darauf wir schon einiges geleistet haben, hoffen wir also noch mehr zu leisten. Den orientalischen Boden unseres Ursprungs wollen wir uns außerdem immer mehr zu eigen machen, gemäß unserer Volkszahl und Volkskraft, ohne grundsätzlichen Ausschluß anderer, und auf den heute allgemein anerkannten Wegen von Kauf, Pacht, Lohnvertrag — durch den in der Gegenwart herrschenden Einfluß von Kapital und Intelligenz. Dies alles, solange die Welt nicht die Arbeit allein zum Range des Kapitals erhoben hat! In soziologischer Beziehung gibt es also kein besonderes jüdisches Problem, da keinerlei Identität von Jude und besonderer sozialer Funktion irgendwo nachweisbar ist. Aller sogenanjite christlich-jüdische Gegensatz ist auf diesem Gebiet schlechte Demagogie: rein praktisch zu erledigen, aber nicht länger der Ehre einer theoretischen Widerlegung zu würdigen. Wie steht es nun aber mit dem Judentum als religiösem Problem? Mit der Verwerfung des Heils durch die Gemeinschaft, der dieses Heil vor allen anderen angeboten war? Oder, umgekehrt, mit der von unseren Apologeten behaupteten Integrität des Gottesglaubens von allen „heidnischen*' Beimengungen? Hier scheint sich die Diskussion auf ein höheres Niveau zu erheben. Dies ist freilich nur Schein. Die wahre Frömmigkeit, das Gnadengeschenk, der Bund mit Gott, scheint, im Judentum wie im Christentum und auch sonst immer, ein individuelles, nicht übertragbares Erlebnis zu sein; zumeist eine Unterwerfung, immer eine Vereinigung mit dem Göttlichen, deren subjektive Wahrheit man dem Gläubigen zugestehen und auf deren objektive Grundlage man einzig und allein hoffen kann. Die Mitteilung dieser Erlebnisse ist aber in allen Fällen, auch in denen der heiligsten Religionsquellen, eine literarische, und demgemäß — aus der sittlichen Notwendigkeit der freien Forschung heraus — der Kritik unterworfen. Und die Kritik wird in allen Fällen des Glaubens nur Zustände, Stimmungen feststellen, zu deren Erklärung das Irdische, Unmetaphysische in genau demselben Grade zureicht und nicht zureicht wie bei allen anderen „ungläubigen4* Erscheinungen. Und was das schlimmste ist, die Erfahrung bietet wohl ausnahmslos das Bild der nicht hinreichenden Durchdringung des „heiligen" Menschen durch das Heilige, den Rückstand eines nur 26

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